Saftige Bratwurst, kaltes Freibier und energische Stimmungsreden – jene traditionellen Stilmittel zur Mobilisierung der Wählerinnen und Wähler mussten in diesem Bundestagswahljahr der immer noch angespannten Pandemie-Lage weichen. Aber ganz ohne politisches Getöse geht es nicht. Statt auf dem Wochenmarkt oder in der vollen Sportarena, sind die Parteien vor allem im Internet auf Stimmenfang. Die Verlagerung ins Netz wurde durch Corona zwar beschleunigt, aber auch ohne die Pandemie wären die Parteien schlecht beraten, wenn sie Social-Media-Plattformen nicht nutzen würden.

Schließlich ist die Wählerschaft nur einen Klick entfernt: Laut einer Studie des Leibniz-Instituts für Medienforschung von 2020 nutzen immer mehr Menschen Soziale Medien als Nachrichtenquelle: Im vergangenen Jahr waren es 37 Prozent der Befragten, 2019 noch 34 Prozent. In der Gruppe der 18- bis-24-Jährigen nutzten 2020 sogar 56 Prozent Soziale Medien, um sich über das Weltgeschehen zu informieren. Das entspricht laut der Studie einem Anstieg von sechs Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Der Wahlkampf wird also mehr denn je im Netz entschieden. Wie nutzen die Parteien die Plattformen und wie bereiten sie ihre Inhalte auf? Ein Überblick.

Politikberater: „Jungwählerinnen und Jungwähler für den Wahlausgang relativ irrelevant“

In digitalen Fragen kann sich Deutschland nicht unbedingt mit Ruhm bekleckern. Ob Breitbandanschluss, Digitalisierung oder technische Ausstattung an Schulen – Deutschland landet bei diesen Themen eher im Mittelfeld, wie der EU-Index für digitale Wirtschaft und Gesellschaft zeigt.

Während Barack Obama schon 2008 auf einen digitalen Wahlkampf setzte, hatten bei der vergangenen Bundestagswahl im Jahr 2016 nicht einmal alle Kandidatinnen und Kandidaten ein Social-Media-Profil. Vier Jahre später sieht es deutlich anders aus: Ihre Profile sind jetzt professioneller gestaltet. Fast täglich posten sie etwas, bespielen mehrere Plattformen, diskutieren mit Influencerinnen und…