Obwohl in der EU „Hunderttausende Soldaten unter Waffen“ seien, „schaffen wir es nicht, in Kabul den Flughafen zu sichern“, sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wir haben kein Problem mit der Masse, aber mit den Fähigkeiten und Strukturen.“

Dies zu ändern sei „eine Frage von Willen, von Kommando und von Durchsetzung“. Auch wenn eine europäische Armee für ihn eine „Fern-Vision“ sei, müsse nun gehandelt werden: „Wir erreichen sie aber nicht mit irgendwelchen Wunschträumen, sondern wenn wir jetzt Schritt für Schritt vorangehen.“

Die USA wollen nicht mehr Weltpolizist sein

Die nationalen Armeen blieben weiter die Hauptpfeiler der Verteidigung, es brauche aber eine Eingreiftruppe „mit einigen Tausend Mann“, sagte Weber. Europa stehe an einem Wendepunkt. Die USA seien „nicht mehr bereit, der Weltpolizist zu sein“.

„Belarus, Ukraine, Nordafrika, Naher Osten – diese Probleme werden die Amerikaner nicht für uns lösen“, sagte Weber. „Wir müssen jetzt endlich Verantwortung übernehmen und eigenständig handeln.“ Eine stärkere Zusammenarbeit spare „Milliarden an Kosten“. Zudem werde die NATO gestärkt, „wenn Europa einen größeren Beitrag liefert“.

Cyberangriffe gemeinsam stoppen

Der Vorsitzende der Christdemokraten im Europaparlament forderte zugleich eine gemeinsame europäische Cyberabwehr. „Wir erleben ständig Cyberangriffe auf digitale europäische Infrastruktur – privat wie öffentlich – in Europa. Das ist täglich stattfindender Krieg im Netz“, so Weber. Bei dieser Dimension sei ein nationaler Ansatz allein nicht ausreichend. Die EU brauche eine Cyberabwehr-Brigade.

haz/fab (dpa, rtr)