Die seit Jahrzehnten erfolgreich praktizierte Taktik des FC Bayern München hat sich mal wieder bewährt: Nimm der Konkurrenz die besten Spieler ab, auch wenn du sie selbst nicht brauchst. Hauptsache, sie könne nicht mehr gegen dich spielen. An Beispielen für dieses oft vollzogene Verfahren mangelt es nicht: angefangen bei Kalle Del’Haye (1980 von Borussia Mönchengladbach verpflichtet), bis hin zu Leipzigs Verteidiger Dayot Upamecano und RB-Trainer Julian Nagelsmann im Sommer sowie zuletzt Marcel Sabitzer kurz vor dem Ende der Transfer-Deadline.

Die Münchner kaufen den anderen Bundesligaklubs nach Lust und Laune alles weg, was ihnen nur irgendwie gefährlich werden könnte – auch wenn die Gefahr aufgrund der Ausnahmestellung in der Bundesliga gar nicht so groß ist. Nachdem der 1. FC Kaiserslautern 1990 DFB-Pokalsieger und 1991 Deutscher Meister wurde, lotsten die Bayern 1991 zunächst Lauterns Torjäger Bruno Labbadia und 1993 auch noch dessen Nachfolger Marcel Witeczek nach München. Kaiserslautern stieg 1996 ab. Von Werder Bremen, dem Double-Sieger von 2004, kamen 2006 zunächst Valerien Ismael und zwei Jahre später auch Tim Borowski zum FC Bayern München – keiner von beiden hinterließ tiefe Fußstapfen in München, aber Bremen gewann nach dem Pokalsieg von 2008 keinen Titel mehr und spielt mittlerweile in der 2. Liga.

Mehr Beispiele gefällig? Nachdem Borussia Dortmund die Frechheit besessen hatte, 2011 und 2012 gleich zweimal hintereinander die Meisterschaft zu gewinnen, wurden die Besten des BVB gleich reihenweise verpflichtet: erst Robert Lewandowski (2014), dann auch noch Mats Hummels und Mario Götze (beide 2016). Und ist Dortmund seitdem noch einmal Meister geworden?

Erfolgreiches Leipzig musste „bluten“

Hätte mal Lust auf einen anderen Meister als die Bayern: DW-Redakteur Andreas Sten-Ziemons

Nach Bayern-Logik waren nun eben die neureichen Emporkömmlinge aus Leipzig an der Reihe, geschwächt zu werden, da sie zuletzt zweimal Dritter und einmal sogar…