Der Elefant im Raum ist ein Kanzlerkandidat, den es nicht gegeben hat: Markus Söder. Der CSU-Vorsitzende, der im Ringen um die Kandidatur im Bundestagswahlkampf – jedenfalls in dieser Runde – das Nachsehen hatte, war dem Chef der Schwesterpartei, Armin Laschet, mehrfach rhetorisch in die Parade gefahren. Doch auf diesem Parteitag in Nürnberg stärkt er ihm gut sichtbar den Rücken: „Wir stehen zu 100 Prozent hinter unserem gemeinsamen Kanzlerkandidaten“, verkündet der Franke vor den Delegierten. Selbstredend hat jeder im Saal gelesen, wie sein Generalsekretär Markus Blume im Magazin „Spiegel“ zitiert worden war: „Natürlich stünden wir mit Markus Söder besser da.“

Mit dem historischen Umfragetief im Nacken und einer nur begrenzt belastbaren Solidaritätskundgebung im Rücken, tritt Laschet in Söders Heimatstadt auf die Bühne, um fünfzehn Tage vor dem Wahltermin erneut zu verkünden, dass CDU und CSU das Ruder noch herumreißen und das Rennen gewinnen könnten – und um der Basis zu beweisen, dass er dafür der richtige Wagenlenker sei.

„Brauchst gar keine Rede zu halten“

Schon vor seinen Worten ebbt der Applaus nicht ab. „Brauchst gar keine Rede zu halten“, scherzt Söder, der „den Kanzlerkandidaten der gesamten Union, auch der CSU“ aufs Podium geleitet hat. Standing Ovations – die Delegierten kennen die Spielregeln der politischen Darbietung vor dem Wahlvolk.

Markus Söder war am Freitag mit 87,6 Prozent der Stimmen als CSU-Vorsitzender bestätigt worden

„Wir in Nordrhein-Westfalen waren 50 Jahre in der Opposition und wir haben immer neidvoll auf die CSU geschaut, die seit mehr als 50 Jahren Regierungsverantwortung trägt“, sagt Laschet zu Beginn und zeigt sich als höflicher Gast, der weiß, dass Komplimente stets die Stimmung heben. Seine Stimme aber ist angeschlagen; der Wahlkampf fordert Tribut. Immer wieder räuspert sich der 60-Jährige, der mit einem Blick in die Geschichte beginnt.

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