von Daniel Bakir
10.09.2021, 09:11 Uhr

Als Undercover-Reporter des „Team Wallraff“ tauchte Alexander Römer in die Welt der Amazon-Paketfahrer ein. Er berichtet von dubiosen Sub-Unternehmern, dem täglichen Zeitdruck und wie er auf Schritt und Tritt überwacht wurde.

Herr Römer, Sie haben als Undercover-Reporter des „Team Wallraff“ für Amazon Pakete in Berlin ausgefahren. Dass das kein leichter Job ist, kann man sich denken. Was hat Sie am meisten überrascht?

Positiv überrascht hat mich, wie kollegial und hilfsbereit die Fahrer miteinander umgehen. Die Fahrer, mit denen ich zu tun hatte, waren extrem freundlich, auch wenn man sich teilweise nur mit Händen und Füßen verständigen konnte, weil nicht alle deutsch sprachen. Die verstehen sich als Leidensgenossen. Am Ende meines Undercover-Einsatzes haben mir die Fahrer, mit denen ich am meisten zu tun hatte, gratuliert und sich für mich gefreut, dass ich nicht mehr bei Amazon arbeiten muss.

Wie wird man eigentlich Amazon-Fahrer?

Über Ebay-Kleinanzeigen. Allein in Berlin gibt es da aktuell über 300 Stellenanzeigen von Sub-Unternehmern, die Amazon-Fahrer suchen. Ich habe auch auf so eine Kleinanzeige geschrieben und innerhalb weniger Stunden, kurz nach Mitternacht, bekam ich Antwort. Ich solle bitte als erstes meinen Sozialversicherungsschein, meine Bankkarte, meinen Ausweis und weitere Dinge per Whatsapp an eine wildfremde Person schicken. Das ist für Leute, die in geregelten Arbeitsverhältnissen arbeiten, ein bisschen komisch, wird aber dort vorausgesetzt.

Wie ging es weiter?

Ich musste zu einer Firma namens Pignus in einem Industriegebiet kommen, in einem heruntergekommenen Gebäude, es lag Müll im Eingangsbereich, alles wirklich merkwürdig. Dort traf ich auf eine Frau und einen Mann, die mir einen Arbeitsvertrag für 11 Euro brutto die Stunde vorlegten….