von Michael Streck
10.09.2021, 15:51 Uhr

Michael Streck war gerade in New York als stern-USA-Korrespondent angekommen, als Terroristen das World Trade Center angriffen. Er erreichte die Zwillingstürme, als die gerade zusammensackten. Hier erzählt er von kaltem Staub und der Zeit, in der sich die Welt veränderte.

Genau eine Woche vor den Anschlägen auf das World Trade Center standen wir auf dem Empire State Building und schauten auf das World Trade Center. Die Sonne ging gerade unter, und meine Frau sagte zu unseren Töchtern, damals sieben und neun: „Seht ihr die hohen Türme da drüben? Von da oben kann man an schönen Tagen bis nach Delaware gucken. Und das sehen wir uns nächste Woche an.“ Die Töchter verstanden damals noch nicht richtig. Sie wussten nichts mit den hohen Türmen anzufangen und erst recht nichts mit Delaware. Wir waren gerade erst angekommen. Es gibt davon noch ein Foto. Die Kinder auf der Aussichtsplattform hoch oben über Manhattan, im Hintergrund die Türme, die sieben Tage später nicht mehr waren.

Unsere Kleinfamilie erreichte die neue Welt am 26. August 2001. Wir hatten ein Haus gefunden eine gute halbe Stunde von der City entfernt, und in den folgenden Wochen, während unsere Möbel und ein kaputtes Klavier im Container über den Atlantik schipperten, campten wir dort. Wir schliefen auf Luftmatratzen, wir hatten einen Tisch, vier Stühle, vier Teller, vier Gabeln, vier Messer, ein altes Radio.

Ein paar Hundert Kartons und ein kaputtes Klavier

Der Container kam an einem Montag, und mit dem Container kamen Richard, Samuel und Larry. Drei kräftige, schwarze Möbelpacker, echte Jungs aus dem Leben, Bronx. Sie schleppten ein paar Hundert Kartons und ein kaputtes Klavier ins Haus und bauten Betten und Regale auf und sagten lustige Sachen wie „I hate Ei-kie-ja“. Was sich insofern später bewahrheiten sollte, als dass sämtliche Ikea-Regale wackelten und die…