Paulina Bownik ist der Stress der vergangenen Wochen anzusehen. Immer wieder hält sie beim Erzählen inne, um Tränen zu unterdrücken. Die Ärztin arbeitet in einem Krankenhaus nur dreißig Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt. Was sich dort ereignet hat, erfüllt sie immer noch mit Entsetzen.

Vor Wochen war in der Nähe von Usnarz Gorny eine Gruppe von Afghanen gestrandet. Direkt an der Grenze. Die polnischen Grenzschützer versperrten ihnen den Weg ins Landesinnere. Die Belarussen verhinderten den Rückzug auf die andere Seite. Paulina Bownik war immer wieder dort im Einsatz, versuchte zu helfen. Den Gestrandeten fehlte es an Trinkwasser und Nahrungsmitteln. Manche waren krank. Alle schienen erschöpft und verzweifelt.

„Ich schnappte mir den Arztkoffer und rannte los“

„Ich erinnere mich an den Tag, als ich dort ankam, und erfuhr, dass jemand ohnmächtig geworden war. Man konnte in der Tat sehen, dass eine Person auf dem Boden lag“, schildert die Ärztin die Situation. „Ich schnappte mir den Arztkoffer und rannte los. Ich bat die Grenzschützer, mich durchzulassen. Aber sie haben es nicht erlaubt.“

Kein Durchkommen: Die Ärztin Paulina Bownik versucht vergeblich, die gestrandeten afghanischen Flüchtlinge mit Hilfsgütern zu versorgen

Szenen wie diese erlebte sie immer wieder an der Grenze, sagt Paulina Bownik, nicht nur im Falle der Afghanen. Mal wurde den Helfern untersagt, einer aufgegriffenen Familie mit kleinen Kindern Rettungsdecken anzubieten. Mal versuchten die Grenzschützer, jegliche Kommunikationsversuche mit den Geflüchteten zu unterbinden. Was dort jetzt passiert? Die Medizinerin macht sich Sorgen. Seitdem der Ausnahmezustand verhängt wurde, haben weder Hilfsorganisationen noch Journalisten Zugang zum drei Kilometer breiten Streifen entlang der Grenze.

Ein Notstand wegen 30 Afghanen?

Die Entscheidung der Regierung, das Gebiet abzuriegeln, sei ein Skandal, sagt Oppositionspolitiker Franciszek Sterczewski. Der Parlamentarier war ebenfalls vor dem…