TV-Kritik

ARD-„Wahlarena“
Plötzlich offensiv: Olaf Scholz wagt sich nach vorn – zumindest ein Stück weit

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz stellte sich in der ARD-Wahlarena den Publikumsfragen

© Axel Heimken / DPA

von Simone Deckner
08.09.2021, 07:06 Uhr

Der SPD-Kanzlerkandidat zeigt sich in der „ARD-Wahlarena“ etwas nahbarer als zuvor. Klare Bekenntnisse gibt es dennoch kaum, dafür einen ordentlichen Seitenhieb: Die CDU solle sich „jetzt erst mal in der Opposition erholen“. 

Die zweite Ausgabe der „ARD-Wahlarena“ ist gerade ein paar Minuten alt, da scheppert und rumpelt es im Lübecker Studio. Gäste drehen fragend ihre Köpfe. Auf Twitter befürchten sie (wie immer) schon das Schlimmste. Aber die Moderatoren Ellen Ehni und Andreas Cichowicz können schnell Entwarnung geben: „Da ist nur eine Außenkamera umgefallen, alles ok.“

Wäre man böse, man könnte sagen, dass der lautstarke Crash der Kamera schon das aufregendste war bei dieser auf 75 Minute ausgedehnten Fragestunde mit SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Aber man muss ja nicht gleich so hämisch sein wie der ehemalige US-Botschafter John Kornblum, der über Olaf Scholz sagte, er sei unter den ohnehin langweiligen Kandidaten „der größte Langweiler“.

Niemand, zumindest nicht jene Menschen, die Olaf Scholz noch als Ersten Bürgermeister von Hamburg kennen (Offenlegung: die Autorin zählt dazu) erwartet von dem 62-Jährigen ein Feuerwerk der Gefühle oder rhetorische Raffinessen. Dass der Mann, der als „Scholzomat“ bekannt wurde, laut Markus Söder, hier und da „schlumpfig grinst“, muss an Emotionen reichen.

Umso bemerkenswerter, dass Scholz am Dienstagabend sein Repertoire erweiterte: Er wirkte in weiten Teilen wie der Vertrauenslehrer an einer Gesamtschule: Ganz gleich, ob die Fragenden (wie schon in Runde Eins bei Annalena Baerbock: 60 Bürger, einige zugeschaltet) sich zum Thema Mindestlohn,…