Oleg Senzow galt als Ikone des Widerstands gegen Russlands Annexion der Krim. Im Mai 2014 wurde er wegen des Verdachts der Planung terroristischer Handlungen verhaftet und nach Moskau überstellt – und landete anschließend in einem russischen Straflager. Fünf Jahre war er dort inhaftiert, immer wieder forderten Filmschaffende aus ganz Europa seine Freilassung.   

Im Rahmen eines Gefangenenaustausches wurde er im September 2019 freigelassen und kehrte in die Ukraine zurück. Jetzt meldet Senzow sich auf der Kinoleinwand zurück: mit „Rhino“ – einem Film, der sich schonungslos mit der von Rechtlosigkeit, Verbrechen und Gewalt geprägten Ukraine der 1990er-Jahre auseinandersetzt. Denn nachdem die Sowjetunion zerfallen war, trat zunächst ein Machtvakuum ein. Gewalttätige Banden machten sich das zunutze, lang galt in der Ukraine das Gesetz des Stärkeren. Am 9. September feiert „Rhino“ bei den Filmfestspielen in Venedig Premiere.

Im Gespräch mit der DW erzählt Oleg Senzow, warum ihn dieses Thematik seit Jahren umtreibt und er sie unbedingt auf die Leinwand bringen wollte – mit einem Hauptdarsteller, der für Kontroversen sorgen dürfte.  

DW: „Rhino“ ist Ihr erster Film seit rund zehn Jahren. Wie fühlt sich das an?

Oleg Senzow: Es ist so, als ich hätte ich mir selbst eine überfällige Schuldensumme zurückbezahlt. Ich habe innerlich immer gebrannt für diesen Film. Das hat in den vergangenen zehn Jahren nie aufgehört, trotz aller Schwierigkeiten, meiner Haft, dem Krieg in meinem Land.

Der Film „Rhino“ war ein Herzensprojekt von Senzow

Das Drehbuch haben Sie vor Ihrer Haft geschrieben. Haben Sie es dann hinter Gittern noch einmal angefasst?

Ich habe das Skript im Gefängnis nicht verändert, obwohl ich dort sehr viel geschrieben habe – insgesamt vier neue Drehbücher. Aber in Haft beschäftigt man sich mit viel leichteren Geschichten, dort ist es schon dunkel genug. Ich schätze, hätte ich „Rhino“ in meiner Zelle geschrieben, dann wäre die Handlung nur…