Es war ein brutaler und sicher lebensverändernder Moment für Thorhildur Gyda Arnarsdottir. In einem Fernsehinterview enthüllte sie die angeblichen Details zu ihrem sexuellen Missbrauch vor vier Jahren. Arnarsdottir erzählte, wie sie und eine weitere Frau im September 2017 in einer Bar in Reykjavik von einem Spieler der Fußball-Nationalmannschaft, die an diesem Mittwoch in der WM-Qualifikation gegen Deutschland spielt, angegriffen wurden. Beide Frauen, so Arnarsdottir weiter, wurden verletzt. Am nächsten Tag erstatteten sie bei der Polizei Anzeige. Außerdem hätten ihre Eltern später persönlich mit dem Vorsitzenden des isländischen Fußballverbandes KSI, Gudni Bergsson, gesprochen.

In dem Fernsehinterview berichtete Arnarsdottir auch, dass der mutmaßliche Täter seine Tat zugegeben, sich entschuldigt und sogar eine Entschädigung gezahlt haben soll. Dies geschah jedoch erst, nachdem der isländische Fußballverband versucht hatte, sie zum Schweigen zu bringen, so die 25-Jährige. „Ein Anwalt des Fußballverbands fragte mich, ob ich bereit sei, eine Geheimhaltungsvereinbarung zu unterzeichnen und auch eine Entschädigung zu erhalten“, sagte sie. „Und ich habe natürlich nein gesagt.“

Rücktrittsforderungen

Der nationale Rundfunksender RUV fragte Bergsson, ob die Beschwerde oder „andere derartige Fälle“ auf seinem Schreibtisch gelandet seien. „Nein, nicht auf formellem Wege“, antwortete er. Diese Behauptung wurde später jedoch durch den E-Mail-Verkehr zwischen Arnarsottir´s Vater und dem isländischen Staatspräsidenten widerlegt. Der Staatspräsident gab zu, mit dem KSI-Vorsitzenden über die Angelegenheit gesprochen zu haben. Bergsson trat am Sonntag von seinem Amt zurück.

Arnardsottir forderte alle KSI-Vorstandsmitglieder auf, ebenfalls zurückzutreten und zuzugeben, dass sie dieses Fehlverhalten der Spieler, gegen die die Missbrauchsvorwürfe erhoben wurden, hingenommen hätten. Der Vorstand reagierte darauf und erklärte, dass „wir als Gemeinschaft mehr tun…