Fleischatlas 2021
Viehzucht heizt Klimakrise an – Label könnte helfen

Die Haltungskennzeichnung «Premium» (Stufe 4) der Initiative Tierwohl (ITW). Foto: Initiative Tierwohl/dpa

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Ein EU-weites Tierwohl-Label soll den Kauf nachhaltiger Produkte erleichtern. Zumindest hier sind sich Umweltaktivisten und Agrarlobby einig – liegen in anderen Bereichen aber zumeist weit auseinander.

Obwohl sich die Menschen hierzulande gerne nachhaltiger ernähren wollen, werden ihnen dabei nach Einschätzung von Umweltschützern von der Politik immer wieder Steine in den Weg gelegt. Das geht aus dem knapp 80 Seiten langen «Fleischatlas» hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

In dem Papier stellen unter anderem der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die Heinrich-Böll-Stiftung Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel zusammen. Die Verfasser beklagen fehlende Transparenz für Verbraucher und mangelnde Anreize für Anbieter.

Nachhaltigkeit liegt laut dem Bericht vor allem jüngeren Menschen am Herzen. Das zeige eine repräsentative Umfrage unter 15- bis 29-Jährigen aus dem vergangenen Jahr, sagt Christine Chemnitz von der Heinrich-Böll-Stiftung. Mehr als 70 Prozent der Befragten lehnten demnach die Fleischproduktion, wie sie derzeit stattfinde, ab. «Doch die Bundesregierung kommt ihren Forderungen nicht nach», so die Referentin für internationale Agrarpolitik.

Die Verfasser vom «Fleischatlas» drängen daher auf eine einheitliche Tierwohl-Kennzeichnung in der EU, um Kaufentscheidungen zu erleichtern. In einzelnen Nachbarländern gebe es bereits Tierwohl-Logos. In Deutschland müssen Supermarktkunden weiter auf ein staatliches Label für Fleisch und Wurst aus besserer Tierhaltung warten. «Das liegt am fehlenden politischen Willen und nicht am mangelnden Wissen über die Instrumente», so ihre Kritik.