Die DW traf Herbert Blomstedt nach dem umjubelten Konzert mit den Wiener Philharmonikern,die der schwedische Dirigent seit 54 Jahren regelmäßig leitet, beim Beethovenfest in Bonn. 

DW: Herr Blomstedt, Sie haben soeben ein zweistündiges Konzert mit den Wiener Philharmonikern beim Beethovenfest in Bonn gestaltet, mit Werken von Franz Schubert und Anton Bruckner. Warum hatten Sie Lust, dieses Konzert hier zu dirigieren?

Herbert Blomstedt: Ich spiele mit den Wiener Philharmonikern überall, wo ich kann. Der zweite Grund ist aber natürlich ein lokaler: Bonn ist eine sehr wichtige Stadt in der Musikgeschichte. Die Nähe des Geburtshauses von Beethoven, des Rheins ist schon spürbar.

Das Orchester liebt ihn: Herbert Blomstedt beim Konzert in Bonn

Aber woher nehmen Sie die Kraft? Was ist Ihr Geheimnis?

Das ist die Liebe zur Musik. Natürlich muss man auch eine gewisse Kondition haben. Aber die Musik – und damit meine ich die große klassische Tradition – gibt sehr viel Kraft, weil sie den Intellekt und die Emotionen gleichfalls stimuliert. Es gibt natürlich auch andere Musik, die nur die Emotionen sofort stimuliert, aber überhaupt keine Intelligenz hat. Und umgekehrt gibt auch sehr intelligente Musik, die wenig mit Emotionen zu tun hat, die trocken ist und nichts sagt.

Aber diese Musik, ich meine die Musik von Beethoven, Bruckner, Schubert, Brahms und anderen großen Komponisten, die hat uns unglaublich viel zu geben, das ist ihre typische Eigenschaft. Wenn man diese Musik entdeckt, entdeckt man irgendwo auch sich selbst.

Damals noch fast ein junger Mann: Herbert Blomstedt 2006, mit knapp 80

Mitten in der Corona-Pandemie haben Sie die Hoffnung geäußert, dass diese weltweite Krise das Bedürfnis nach seelischen Inhalten hervorbringen würde. Sehen Sie sich in Ihrer Vermutung bestätigt?

Ja, ich denke schon. Die Musik hat in unserer Zeit eine ganz besondere Bedeutung. Man sehnt sich nach solchen Erlebnissen wie diesem Konzert. Schumann hat ja gesagt: Aufgabe des…