Die Polizei in Montenegro hat eine Straßenblockade am wichtigsten Zufahrtsweg in die historische Hauptstadt Cetinje gewaltsam geräumt. Die Beamten setzten unter anderen Tränengas ein. Die Demonstranten steckten Autoreifen in Brand, leisteten aber ansonsten keine Gegenwehr.

Metropolit landet mit Helikopter

Hunderte Anhänger der Unabhängigkeit Montenegros wollten mit der Blockade die geplante Amtseinführung des neuen Oberhaupts der serbisch-orthodoxen Kirche in Montenegro, des Metropoliten Joanikije, im Kloster von Cetinje verhindern. Joanikije soll indes in Begleitung des aus Belgrad angereisten Patriarchen der serbisch-orthodoxen Kirche, Porfirije, mit einem Helikopter im Kloster gelandet sein, berichtete das Portal „cdm.me“.

Demonstranten blockieren eine Zufahrtsstraße nach Cetinje, der ehemaligen Hauptstadt des kleinen Balkanlandes

Anhänger der Unabhängigkeit Montenegros betrachten die Amtseinführung des neuen Metropoliten in Cetinje als Machtdemonstration des proserbischen Lagers. Montenegro war bis 1918 unabhängig und ist es seit 2006 wieder. Knapp ein Drittel der 620.000 Einwohner definieren sich als ethnische Serben. Weit mehr Menschen bekennen sich zur serbisch-orthodoxen Kirche. Ihre Spitze residiert in Serbien, sie erkennt die staatliche Identität Montenegros nicht an.

Auch Montenegros Präsident Milo Djukanovic beteiligt sich an den Protesten (Archivbild)

Die seit Dezember amtierende Regierung Montenegros gilt als kirchennah. Im Dezember hatte sie ein von der Sozialistischen Partei von Präsident Milo Djukanovic eingebrachtes Gesetz geändert, mit dem hunderte Serbisch-Orthodoxe Klöster zu Staatseigentum gemacht werden sollten.Auch Djukanovic beteiligte sich an den Protesten gegen die Amtseinführung des neuen Metropoliten in Cetinje.

nob/sti (afp, dpa)