Das Militär war vor allem auf den Straßen der Halbinsel Kaloum zu sehen, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtet. Dort befinden sich das Präsidialamt und zahlreiche Regierungsinstitutionen des westafrikanischen Landes. Telefonisch kontaktierte Bewohner von Kaloum sprachen von heftigem, anhaltendem Beschuss. Die Straßen seien voller Soldaten, welche die Bewohner aufforderten, in ihre Häuser zurückkehren und diese nicht zu verlassen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Augenzeugen, zwei Zivilisten hätten Schusswunden erlitten.

Ein Mitglied des Militärs erklärte, Soldaten hätten inzwischen die einzige Brücke zwischen dem Festland und der Halbinsel Kaloum besetzt und damit den einzigen Zugang blockiert. Um den Präsidentenpalast seien etliche schwer bewaffnete Soldaten postiert worden. Ein Regierungsmitglied gab bekannt, Staatspräsident Alpha Condé sei unverletzt.

Putschversuch im Gange? 

Ein westlicher Diplomat sagte, er habe „keine Zweifel“, dass ein Putschversuch im Gange sei, der von guineischen Spezialkräften angeführt werde. Seinen Informationen zufolge hat eine Eliteeinheit den Präsidentenpalast zumindest vorübergehend übernommen. Der Diplomat, der anonym bleiben wollte, vermutete als Ursache Spannungen zwischen der Regierung und dem Kommandeur der Spezialeinheit.

Kurz nach dem Schusswechsel landete dieses Armee-Fahrzeug in Conakry in einem Graben

Guinea, das trotz beträchtlicher Bodenschätze zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, wird seit Monaten von einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise erschüttert, die durch die Corona-Pandemie verschärft wurde. Präsident Condé hatte vergangenes Jahr eine Verfassungsänderung durchgesetzt, die ihm eine dritte Amtszeit ermöglicht. Im Oktober ging er nach offiziellen Angaben aus der von Gewalt begleiteten, umstrittenen Wahl als Sieger hervor. Dies wiederum löste Massenproteste aus. Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften wurden seinerzeit nach…