Spielzeug
Der tragische Untergang des „Sea Monkey“-Imperiums

In der Werbung lebten die „Sea Monkeys“ wie eine US-Familie unter Wasser.

von Gernot Kramper
05.09.2021, 09:39 Uhr

Harold von Braunhut vermarktete getrocknete Wasserkrebse und Röntgenbrillen für Spanner. Nichts funktionierte wirklich, doch von Braunhut war ein Jedi-Meister des Verkaufens. Nach seinem Tod verlor seine Witwe alles – selbst die „Sea Monkeys“.

Harold von Braunhut schuf ein Vermögen mit Kinderspielzeug, das nur Pfennigbeträge kostete. Von ihm stammten geniale Erfindungen, wie die X-Ray-Brille. Mit ihr hofften pubertäre Knaben, durch die Kleidung hindurch einen Blick auf den weiblichen Köper zu erhaschen. Die Illusion vermittelte von Braunhut mit eindeutigen Zeichnungen von Ladys, bei denen das Kostüm unsichtbar wurde. Wie bei allen seinen Erfindungen war auch hier die Kundenenttäuschung vorprogrammiert. Die Brille produzierte einen lustigen optischen Effekt, aber entkleidete natürlich keine Frauen.

Unscheinbare Krebse

Die größte Innovation von Braunhuts, waren die „Amazing Live Sea Monkeys“. Diese Wunder-Wasserwesen wurden getrocknet in einer Tüte geliefert und sollten von den jungen Käufern in einem kleinen Plastikaquarium zum Leben erweckt werden. In den 1970er Jahren waren in fast jeder Zeitschrift Anzeigen für dieses Wunder. Auf den Zeichnungen führten die Sea Monkeys ein idyllisches Familienleben – etwa so wie die Familie von Fred Feuerstein bloß unter Wasser.

Tatsächlich handelte es sich um eher unscheinbare Mini-Garnelen. Wenn alles richtig gemacht wurde, entstanden aus dem Trockenpulver tatsächlich lebende Krebse, die aber natürlich kein US-Familienleben unter Wasser vorspielten. Auch sonst war der Mann sehr umtriebig. Von TV-Produzent bis hin zum Manager von Jahrmarktsartisten gab es wenig, was er nicht ausprobiert hätte. Unter dem Namen „The…