„Mit der Gnade Allahs des Allmächtigen haben wir die Kontrolle über ganz Afghanistan“, sagte ein Militärführer der islamistischen Taliban am Freitag. „Die Unruhestifter haben sich ergeben und Pandschir steht nun unter unserem Befehl.“ Zwei weitere Personen aus Kreisen der Taliban äußerten sich ebenso.

Führende Taliban-Gegner erklärten jedoch, der Widerstand ihres Lagers dauere an. Beide Seiten berichteten von schweren Verlusten auf der gegnerischen Seite.

Milizionäre der Massoud-Miliz während einer Trainingsübung in der Provinz Pandschir

Rückzugsort der Taliban-Gegner

Das Pandschir-Tal, rund 80 Kilometer von der Hauptstadt Kabul entfernt, gilt seit den 1990er-Jahren als Hochburg des Widerstands gegen die islamistischen Taliban. Ein Sprecher der Widerstandsbewegung sagte, die Truppen unter dem Taliban-Gegner Ahmed Massoud seien in „schwere“ Kämpfe mit den Taliban verwickelt.

Auf Taliban-treuen Twitter-Accounts wurden Videos verbreitet, die offenbar durch die Taliban eroberte Panzer und anderes schweres militärisches Gerät in dem Tal zeigten. Beide Seiten berichteten auf Twitter, der wichtige Bezirk Parjan sei vorübergehend von den Taliban eingenommen worden. Von unabhängiger Seite ließen sich diese Berichte nicht überprüfen. Ein Bewohner des Tals dementierte dies gegenüber der Nachrichtenagentur AFP per Telefon.

In Kabul waren am Freitagabend gleichwohl Freudenschüsse zu hören, als sich das Gerücht verbreitete, die Taliban hätten das Pandschir-Tal erobert.

Regierungsbildung verzögert sich

Nach der neuerlichen Machtergreifung der Taliban vor drei Wochen formierte sich im Pandschir-Tal erneut eine Widerstandsbewegung unter Führung von Ahmed Massoud, dem Sohn des legendären afghanischen Kriegsherrn und Taliban-Gegners Ahmed Schah Massoud.

Dieser hatte in den 1980er-Jahren gegen die sowjetische Besatzung Afghanistans gekämpft, während der Taliban-Herrschaft zwischen 1996 bis 2001 bekämpfte er die Islamisten. Am 9. September 2001 wurde er von zwei…