Eigentlich sollten in den Flugzeugen der Bundeswehr, die den Flughafen von Kabul nach der Machtübernahme der Taliban in Richtung Deutschland verließen, ehemalige Ortskräfte, Journalisten, Menschenrechtler und andere Schutzbedürftige sein. Doch wie das Bundesinnenministerium jetzt bekannt gab, sind auf diesem Weg offenbar auch Personen nach Deutschland gekommen, die von den Behörden als „sicherheitsrelevant“ bezeichnet wurden.

Bis zur Stunde seien 20 Fälle bekannt, „die dadurch, dass sie nicht schon in Kabul geprüft wurden, jetzt in Deutschland sind“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer in München. Unter den Straftätern sind seinen Angaben zufolge unter anderem verurteilte Vergewaltiger. In anderen Fällen ging es um gefälschte Dokumente.

Bundesinnenminister Horst Seehofer: „Bis jetzt 20 sicherheitsrelevante Personen identifiziert“ (Archivbild)

Erst abgeschoben – jetzt ausgeflogen

Insgesamt vier der Ausgeflogenen waren – teilweise schon vor Jahren – von Deutschland nach Afghanistan abgeschoben worden. Eingereist sind nach dpa-Informationen neben Straftätern auch mehrere Menschen, deren Namen schon im gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum von Bund und Ländern aufgetaucht waren. Zwei Straftäter seien aufgrund offener Haftbefehle in die Justizvollzugsanstalt gebracht worden, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Steve Alter, auf Nachfrage. Zwei weitere Afghanen seien „nach wie vor in der Obhut der Behörden“.

Insgesamt kamen mit der Luftbrücke nach Angaben des Bundesinnenministeriums vom Mittwoch 4587 Menschen nach Deutschland, davon 3849 Afghanen und 403 deutsche Staatsangehörige. Unter den Schutzbedürftigen waren auch Bürger zahlreicher anderer Staaten, wobei Deutsche wiederum auch vom Militär anderer Nationen ausgeflogen wurden.

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