von Florian Schillat
02.09.2021, 18:40 Uhr

Die Bundeskanzlerin ist beliebt. Mit ihrem Rückzug hinterlässt sie eine Lücke, die ihre Nachfolger:innen zu schließen versuchen. Eine Chance, aber auch eine Last.

Sie wollen wie Merkel sein, suchen ihre Nähe, zu ihrem Erbe. Vielleicht ist das die größte Überraschung in diesem Wahlkampf vor dem Ende ihrer fast 16 Jahre andauernden Amtszeit: Wurde auf den paralysierende Politikstil der Kanzlerin schon allzu oft der Schwanengesang angestimmt, wird ihr nun wieder der Refrain gewidmet. 

Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union, ging schon mit der Prämisse ins Rennen um den CDU-Vorsitz: „Ein Bruch mit Angela Merkel wäre exakt das falsche Signal“. Unlängst bekräftigte er, Kanzler „in Kontinuität zu Angela Merkel und dem, was sie geleistet hat“ zu werden.

Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD, macht die „Merkel-Raute“, wirbt mit dem Slogan: „Er kann Kanzlerin“.

Und auch Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, betont regelmäßig, dass nur mit ihr wieder eine Kanzlerin ins Kanzleramt einziehe. Auch ihr Umgang mit Drucksituationen weckt Erinnerungen.

Die Kanzlerin wirft einen langen Schatten auf diesen Wahlkampf. Sie ist immer noch, und mit Abstand, die beliebteste Politikerin des Landes. Ihre Arbeit wird von den Wähler:innen hoch geschätzt. Dass die Kandidat:innen versuchen, sich an die Rockschöße Merkels zu hängen, erscheint auf den Weg ins Kanzleramt opportun. Doch stellt das immer noch hohe Ansehen der Kanzlerin die Aspirant:innen auf ihre Nachfolge auch vor individuelle Probleme. 

Das Merkel-Dilemma

Laschet muss einen Spagat hinlegen, der schon seiner Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer zum Verhängnis wurde: Aus dem Schatten der Kanzlerin zu treten, um ein eigenes Profil zu entwickeln, aber ohne auf Distanz zu gehen, um den…