Die Angst ist groß. Nur wenige Afghaninnen sprechen derzeit offen über die verstörenden Entwicklungen in ihrer Heimat. Fatima Gailani tut es. Sie war eine von nur vier Frauen, die in den vergangenen 11 Monaten an den Friedensgesprächen mit den Taliban in Katars Hauptstadt Doha teilnahmen. Doch nachdem Kabul am 15. August von den militanten Islamisten eingenommen wurde, ist von diesen Bemühungen nichts mehr übriggeblieben.

Die ehemalige Präsidentin des afghanischen Roten Halbmonds hat einen Master-Abschluss in Islamwissenschaften und Islamischer Rechtsprechung vom Muslim College in London. Sie entstammt einer einflussreichen religiösen Familie. Ihr Vater war einer der afghanischen Mudschaheddin-Führer, die in den 1980er Jahren gegen die sowjetische Besatzung kämpften.

Nach dem Sturz des Taliban-Regimes durch die US-geführte Intervention Ende 2001 wurde Fatima Gailani zur Verfassungskommissarin ernannt und half bei der Ausarbeitung der neuen Verfassung der Islamischen Republik Afghanistan.

Mit der Rückkehr der Taliban an die Macht ist diese demokratische Verfassung außer Kraft gesetzt. Die DW erreichte Fatima Gailani in Doha, wo sie immer noch versucht, die jüngsten Ereignisse zu verarbeiten. Das Interview wurde kurz vor dem Selbstmordanschlag am Flughafen Kabul geführt, bei dem am 26.08.2021 mehr als 100 Menschen starben.

DW: Wie fühlen Sie sich im Moment?

Fatima Gailani: Ich bin immer noch völlig schockiert, denn wir waren so nah dran. Wir waren wirklich so kurz davor, eine geordnete Machtübergabe [an die Taliban] zu erreichen. Und dann hat Präsident Ghani alles ruiniert, um sein Geld zu retten. Seine überstürzte Flucht ist verantwortlich für das, was sich gerade in Afghanistan abspielt.

Gerüchte gibt es viele. Aber gibt es Beweise dafür, dass Ashraf Ghani und seine engsten Mitarbeiter wie der frühere nationale Sicherheitsberater Hamdullah Mohib tatsächlich Koffer voller Dollarnoten mitgenommen haben?

Sagen Sie es mir! Das muss untersucht werden. Aber…