Die Ankündigung klingt für Thüringerinnen und Thüringer dramatisch: Geplant sei eine »radikale Einschränkung der Bratwurststände im gesamten Stadtgebiet«, falls diese nicht auch je zur Hälfte vegane Würste ins Angebot nehmen. Später solle die Regel auch auf Fleischereien und Gaststätten ausgeweitet werden. In den Kantinen gelte die 50:50-Regel selbstredend auch, hinzu kämen zwei komplett fleischfreie Tage pro Woche. Und: Die Fleischereifachverkäuferin dürfe Minderjährigen kein Würstchen mehr in die Hand drücken.

Das angebliche Unheil droht der Stadt Gera in Ostthüringen. So zumindest steht es auf einem Flyer, der auf Facebook die Runde macht und in mehreren Briefkästen gelandet sein soll. Demzufolge soll Gera nach dem Willen der Thüringer Landesregierung und der Verbraucherzentrale in einem Modellversuch zur »Vegan City« werden. Zum Flyer gibt es eine Unterschriftensammlung, mit der sich Geraerinnen und Geraer gegen die angebliche Veganisierung der Bratwurststadt wehren können.

Allein: Die »Vegan City« gibt es nicht. Weder auf den Seiten der Stadt Gera noch beim Thüringer Gesundheitsministerium oder beim Thüringer Verbraucherschutz finden sich Eingaben zu so einem Modellprojekt. Auf Nachfrage von »Antenne Thüringen« gab die Stadt Gera an, noch nie davon gehört zu haben. Sie empfiehlt den Bürgerinnen und Bürgern, ihre Daten besser nicht in die Unterschriftenliste einzutragen. Auch das Thüringer Gesundheitsministerium weiß dem Sender zufolge nichts von einem Veganprojekt. Auf Anfrage des SPIEGEL am Vormittag war bislang niemand zu erreichen.

Auf Facebook empören sich in einer stadtinternen Gruppe viele Nutzerinnen und Nutzer über die Meldung. Das Verschenkverbot sei »der Hammer«, schreibt einer, »ich hab mich als Kind immer gefreut, wenn die nette Fleischverkäuferin mir ne Wiener in die Hand gedrückt hat«.

Andere Kommentierende vermuten hingegen einen Scherz oder gezielte Stimmungsmache im Wahlkampf. Der oder die Urheber könnten…