Wahlumfragen beschäftigen Politik und Medien ständig, vor allem kurz vor der Bundestagswahl. Fast täglich gibt es nun Meldungen über neue Umfrage-Könige und die Schmach jener Parteien, die an Prozentpunkten verlieren. Weil die SPD in Umfragen erstmals wieder vor den Grünen lag, sieht mancher statt einem Kanzler-Triell zwischen Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock schon ein Duell – zu schlecht seien die Umfragewerte der Grünen, um sie noch als Anwärter auf das Kanzleramt ernst nehmen zu können.

Diese Einordnungen gehören als taktische Manöver zum Wahlkampf. Umso mehr sind die Umfragen, auf denen sie basieren, mit Vorsicht zu behandeln. Denn fünf Wochen vor der Wahl stehen sie weniger für das zu erwartende Wahlergebnis als für die Tendenz der Öffentlichkeit, ihre Aussagekraft zu überschätzen.

Umfragen sind keine Prognosen

Zunächst sind Umfragen nicht mit Prognosen zu verwechseln, wie der Politikwissenschaftler Rüdiger Schmitt-Beck in einem Interview nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erklärte. »Umfragen vor der Wahl geben keinen Ausblick auf das Wahlergebnis, sondern zeigen eine politische Momentaufnahme.«

Bei der Landtagswahl im Juni wurde das einmal mehr deutlich, als Institute wie Civey und Insa in ihren Umfragen die AfD und die CDU nah beieinander sahen, die CDU die Wahl dann aber mit fast 17 Prozentpunkten Vorsprung vor der AfD gewann.

Tatsächlich ist eine solche Überschätzung der AfD in Umfragen eher ungewöhnlich, normalerweise wird die Partei eher unterschätzt. Ihre Wählerschaft nimmt offenbar weniger häufig an Umfragen teil und legt ihre Parteipräferenz seltener offen – vermutlich auch, weil die Wahl der AfD gesellschaftlich weniger akzeptiert ist.

Demoskopie mit Hürden

Bei der Erhebung von Daten ist die Forschung mit einer Vielzahl solcher Schwierigkeiten konfrontiert. Die AfD ist in Umfragen unterrepräsentiert, die Grünen sind dafür eher überrepräsentiert. Zudem werden nicht alle gesellschaftlichen Gruppen…