Das nicht endende Chaos am Flughafen Kabul mit mittlerweile mindestens 20 Toten befeuert die innenpolitische Debatte in Berlin über das Afghanistan-Debakel.

Während Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz ein klares Bekenntnis zu Außenminister Heiko Maas (ebenfalls SPD) vermied, fordert die Opposition die Schaffung eines Afghanistan-Untersuchungsausschusses. Und Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock spricht davon, mehr als 50.000 Personen nach Deutschland zu holen.

»Was für ein Desaster«

Baerbock sagte im ARD-Sommerinterview, ein Untersuchungsausschuss müsse kommen: unabhängig davon, wer die nächste Bundesregierung anführe. Die chaotischen Zustände rund um die Evakuierung ausländischer Staatsbürger und lokaler Mitarbeiter ausländischer Truppen und Organisationen müssten aufgearbeitet werden. Baerbock sprach von deutlich über 50.000 Personen, die aus Afghanistan evakuiert und nach Deutschland geholt werden müssten.

Zuvor hatte bereits FDP-Chef Christian Lindner in der »Bild am Sonntag« verlangt, dass in einem Untersuchungsausschuss in der nächsten Legislaturperiode alles auf den Tisch komme, »was nicht funktioniert hat«. Die »Fehleinschätzung« des Bundesnachrichtendienstes (BND) zur Lage in Afghanistan müsse ebenfalls Konsequenzen haben. »Er muss gegebenenfalls neu aufgestellt werden.«

Auch die Linksfraktion schloss sich der Forderung an. »Es gab nach über 20 Jahren Einsatz keinen Exit-Plan. Was für ein Desaster«, sagte Fraktionschef Dietmar Bartsch den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Im nächsten Bundestag braucht es dazu einen Untersuchungsausschuss.« Außerdem dürften die Verantwortlichen kein Regierungsamt mehr bekleiden.

Ein Bürger fragt Scholz direkt nach der Fehleinschätzung der Regierung

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Bei einem Wahltermin in Potsdam erwiderte Scholz auf die Frage eines Bürgers, ob Maas, Innenminister Horst…