Die SPD wirft dem stellvertretenden Unionsfraktionsvorsitzenden Johann Wadephul (CDU) vor, durch die Preisgabe von geheimen militärischen Informationen den Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Kabul erschwert und Soldaten gefährdet zu haben.

Wadephul hatte in der Talkshow »Maybrit Illner« öffentlich gemacht, dass die Bundeswehr zwei KSK-Helikopter nach Kabul verlegen will. Die verteidigungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Siemtje Möller, kritisiert das in der »Bild am Sonntag«: »Überraschung ist ein militärisches Prinzip. Deswegen werden solche taktischen Informationen geheim gehalten. Es ist unverantwortlich, dass der Kollege sie leichtfertig in einer Talkshow ausplappert. So haben die Taliban alle Zeit der Welt, sich darauf vorzubereiten. Unsere Soldaten werden dadurch zu einem leichten Ziel, die Evakuierungsmission noch gefährlicher.«

Wadephul verteidigte sich in der »Bild am Sonntag«. Er habe eine Freigabe durch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer gehabt: »Mir ist von der Ministerin gesagt worden, dass das bekannt ist und man das verwenden kann.« Dem widerspricht ein Ministeriumssprecher: »Da gab es definitiv nichts in diese Richtung. Alle hier, auch die Ministerin, waren überrascht.«

Auch Heiko Maas unter Druck

Unterdessen gerät Außenminister Heiko Maas (SPD) wegen der zögerlichen Evakuierung der Botschaft in Kabul weiter unter Druck. Nach Informationen der »Bild am Sonntag« aus Sicherheitskreisen meldeten die Personenschützer der Bundespolizei in der Botschaft bereits am Freitag, 13. August, an das Auswärtige Amt nach Berlin: Die Situation in Kabul gerate außer Kontrolle, innerhalb weniger Stunden drohe das vollständige Kippen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte hingegen: »Im Krisenstab trug die Botschaft am Freitag die Einschätzung vor, dass die Sicherheit kurzfristig, aber nicht mittel- oder langfristig zu gewährleisten sei.« In den vergangenen Tagen hatte es vermehrt Forderungen nach einem Rücktritt des…