Der US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz soll als Drehscheibe für Evakuierungen in Afghanistan genutzt werden. Dies sei mit den USA vereinbart worden, teilte Bundesaußenminister Heiko Maas mit. Dabei sollten auch Deutsche oder von Berlin benannte Schutzsuchende mit amerikanischen Flugzeugen nach Ramstein gebracht werden.

Der Fokus liege darauf, so viele Menschen wie möglich aus der afghanischen Hauptstadt Kabul herauszuholen, sagte Maas. Das geschehe in enger Abstimmung mit den internationalen Partnern. Es solle kein Platz in den Flugzeugen leerbleiben: Ebenso wie Deutsche in US-Maschinen mitflögen, werde die Bundeswehr auch weiter Menschen anderer Nationalität in ihren Flugzeugen mitnehmen.

Viele Menschen wollen mit ihrer Ausreise – wie hier am Mittwoch in Kabul – möglichen Racheakten der Taliban entgehen

Durch die Einbeziehung von Ramstein in die Operation würden die gemeinsamen Transportkapazitäten erhöht, so der Minister. Zugleich könne man damit die Luftbrücke zwischen Kabul und der usbekischen Hauptstadt Taschkent entlasten.

Racheakte und Tötungen

In Afghanistan harren noch immer zahlreiche Hilfskräfte des westlichen Militärbündnisses und deren Angehörige verzweifelt auf ihre Ausreise. Die Taliban, die Zufahrtswege zum Flughafen der Hauptstadt kontrollieren, beteuerten, sie wiesen nur diejenigen zurück, die keine gültigen Reisepapiere hätten. Familien von Journalisten und Kritikern der Islamisten berichten indes von Racheakten und Tötungen.

Während die Taliban-Führer sich medienwirksam moderat inszenieren, verbreiten ihre Kämpfer Angst und Schrecken

Mehrere Vertreter der bisherigen afghanischen Regierung werden Medien zufolge vermisst. Der TV-Sender Tolonews meldete, der vormalige Gouverneur und der Ex-Polizeichef der Provinz Laghman im Osten des Landes hätten sich den Taliban ergeben und würden von diesen gefangengehalten – während alle anderen Regierungsvertreter freigelassen worden seien. Der Polizeichef von Gasni im…