Hat Nordrhein-Westfalen nicht entschlossen genug auf die Flutkatastrophe Mitte Juli reagiert? Das Land hatte es unterlassen, seinen Krisenstab zu aktivieren. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat seine Meinung zu dieser Entscheidung geändert: »Wenn ich es noch einmal zu entscheiden hätte, würde ich dem Ministerpräsidenten die Aktivierung des Krisenstabs empfehlen«, sagte Reul der »Rheinischen Post«. »Aber weniger aus operativen Gründen als aus symbolischen.«

Er glaube zwar, dass dadurch kein Haus weniger eingestürzt und kein Menschenleben gerettet worden wäre. Aber nach Reuls Worten hätte ein solcher Krisenstab »das Signal an die Bevölkerung gesendet: ›Jetzt ist es ernst! Und wir nehmen es auch ernst.‹ Wann, wenn nicht in der größten Naturkatastrophe unseres Bundeslandes sollte man den Krisenstab aktivieren?«

Das Innenministerium hatte zur Flutkatastrophe nur einen »Kleinen Krisenstab« gebildet, der offiziell Koordinierungsgruppe heißt. Im Gegensatz zum echten Krisenstab – in dem das Kabinett vertreten ist – saßen in der Koordinierungsgruppe unter Reuls Führung rund 30 Experten aus allen Bereichen und Behörden. Die Opposition hatte das als unzureichend kritisiert.

»Die Koordinierungsgruppe hat de facto wie ein Krisenstab gearbeitet. Da steckte also schon ganz viel Krisenstab drin, es stand nur nicht Krisenstab drauf«, verteidigte sich der Minister nun.

Der Stab wurde vor wenigen Tagen wieder deaktiviert, da die akute Notlage aus Sicht des Innenministeriums vorbei ist – und es nun um die Wiederaufbauarbeiten geht. Reul kündigte an, ein Kompetenzteam Katastrophenschutz aufzustellen, das binnen weniger Monate Handlungsempfehlungen für die Zukunft erstellen soll.

Flut-Hilfsfonds über 30 Milliarden Euro

Bei der Flutkatastrophe Mitte Juli waren allein in Nordrhein-Westfalen 48 Menschen gestorben, im benachbarten Rheinland-Pfalz waren es mehr als 130. Dörfer wurden überflutet und Infrastruktur zerstört, es entstanden Schäden in…