von Florian Schillat
20.08.2021, 19:34 Uhr

Langsam und geräuschlos rollte der Scholz-Zug los. Nun könnte der SPD-Kanzlerkandidat als Sieger ins Ziel einfahren. Also: Zurücklehnen und die Show genießen? 

Was soll er sagen? Nichts, so die Spielregel im „Interview ohne Worte“ des „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Gefragt sind Mimik und Gestik des Gegenüber. Und, an Olaf Scholz gerichtet: „Sie sagen, Sie können Kanzler. Was können Sie nicht?“

Der SPD-Kanzlerkandidat hält als wortlose Antwort eine Glaskugel in die Kameralinse. Er kann die Zukunft nicht vorhersagen, soll das wohl heißen. Schade. Denn wenn sich gerade eine Frage stellt, auf die man gern die Antwort wüsste, ist es die: Was hält die Zukunft für Scholz bereit?

Ein Blick in die demoskopische Glaskugel lässt Hoffnung bei den Sozialdemokraten keimen: Die SPD liegt nun knapp hinter der Union und vor den Grünen, ihr Spitzenkandidat hätte bei einer Direktwahl die Nase um Längen vorn. Wenige Wochen vor der Bundestagswahl sind das Aussichten, die offenbar für Schnappatmung in den Reihen von CDU/CSU sorgen.  

Lange wurde Scholz belächelt, weil er der Einzige zu sein schien, der sich als künftiger Kanzler wähnte. Plötzlich scheint das Amt zum Greifen nah. Warum läuft es so gut?

Scholz‘ unbeirrtes Solorennen

Auch, weil es bei den anderen nicht so gut läuft. Klar: Scholz hat Fehler gemacht. G20-Gipfel, Cum-Ex, Wirecard. Aber die liegen weit zurück, so scheint es, jedenfalls weiter als die Fehler seiner Herausforderin (Annalena Baerbock, Grüne) und seines Herausforderers (Armin Laschet, Union). „Die beiden anderen Kandidaten haben sich selbst demontiert“, bilanziert der Politikwissenschaftler Thomas Jäger von der Universität Köln zum stern. „Sie wurden geprüft und bestanden nicht.“ Baerbock kommunizierte ihren einstigen Höhenflug in den Keller, Laschet lachte sich die…