Es waren bange Tage und Stunden, die Sarah Karimi durchlebte, bis ihr und ihrer Familie die Flucht aus Afghanistan gelang. Am Dienstag, den 17.08.2021, kamen sie in der ukrainischen Hauptstadt Kiew an – zwei Tage, nachdem die Taliban die Kontrolle über Kabul übernommen hatten und nachdem sie inmitten des Chaos auf dem Flughafen einen ersten Flug verpasst hatten.

„Der Moment, als wir das erste Flugzeug verpassten, war der traurigste meines Lebens, denn ich dachte: ‚Okay, wir kommen hier nicht mehr raus, wir bleiben.‘ Aber dann habe ich mich zusammengerissen. Wissen Sie, warum? Weil ich eine Kämpferin bin. Ich gebe niemals auf“, sagte Karimi gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Sahraa Karimi ist die Präsidentin der staatlichen afghanischen Filmorganisation, Regisseurin des bei den Filmfestspielen von Venedig für einen Preis nominierten Films „Hava, Maryam, Ayesha“ von 2019 und die einzige promovierte Filmwissenschaftlerin Afghanistans.

Sahraa Karimi 2019 auf den Filmfestspielen in Venedig – bei denen ihr Film „Hava, Maryam, Ayesha“ gezeigt wurde

Am 13. August hatte sie in einem offenen Brief an die Welt appelliert, afghanische Filmemacher und andere Kulturschaffende vor der Gewalt der Taliban zu schützen.

Karimi hat an der Slowakischen Film- und Fernsehakademie Film studiert. Der Präsident der Akademie sowie die türkische und ukrainische Regierung halfen ihr und ihren Verwandten nun bei der Flucht.

Flucht aus Sorge um die Zukunft ihrer Nichten

Laut DW-Reporter Scott Roxborough, der mit Karimi nach ihrer Ankunft in der Ukraine sprechen konnte, wollte die Filmemacherin Afghanistan zunächst nicht verlassen – obwohl ihr bewusst war, dass sie als führende afghanische Regisseurin in großer Gefahr schwebte.

„Der Grund, warum sie sich doch zur Flucht entschloss, war der Gedanke an ihre Nichten, von denen die jüngste zwei Jahre alt ist, und die Vorstellung, dass sie unter dem Taliban-Regime aufwachsen würden. Weil sie Mädchen sind, würden sie nicht…