Genau ein Jahr nach dem Giftanschlag auf den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau getroffen. Obwohl es „tiefgreifende Differenzen“ gebe, rede man miteinander, sagte die deutsche Regierungschefin vor dem Gespräch mit ihrem Gastgeber. Die Pressekonferenz, die danach angesetzt war, verzögerte sich um eineinviertel Stunden. Dann traten Merkel und Putin vor die versammelten Journalisten. Immer wieder blitzten hinter der formalen Höflichkeit die Konfliktlinien auf.

Der russische Präsident sprach von „konstruktiven“ Gesprächen in „geschäftlicher“ Atmosphäre. Er lobte Merkel zu deren mutmaßlichem Abschied aus der Politik, der in wenigen Monaten ansteht. Nach sechzehnjähriger Amtszeit kandididert die Kanzlerin bei der Bundestagswahl im September nicht mehr. Bis eine Nachfolgeregierung ihre Arbeit aufnehmen kann, wird sie aber weiter die Geschäfte führen.

Parforceritt durch ein Minenfeld

Putin startete mit dem Themenblock Afghanistan und sagte, es müsse darauf hingewirkt werden, dass die radikalislamischen Taliban ihre Macht nicht über die Landesgrenzen hinaus erweitern können. Er warf dem Westen vor, dieser habe versucht, Afghanistan von außen „Werte aufzuzwingen“.

Firnis der Höflichkeit: Blumen für den Gast aus Berlin

Sodann kam der Kremlchef zum Ukraine-Konflikt, sprach Verstöße gegen die Waffenruhe im Osten des Landes an und forderte Merkel auf, Einfluss auf die Regierung in Kiew auszuüben, wenn sie am Sonntag dorthin reise. Auch Belarus streifte der Präsident in seiner Tour d’Horizon, ebenso den Iran, der seit kurzem einen neuen Präsidenten hat, und den Syrien-Konflikt.

„Verurteilung Nawalnys ist nicht akzeptabel“

Merkel begann ihr Statement mit der Erinnerung an den Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion vor 80 Jahren und erwähnte ihre Kranzniederlegung am Grabmal des unbekannten Soldaten. Doch dann kam sie rasch zur Verurteilung des russischen…