Lizzie Doron ist die Tochter einer Auschwitz-Überlebenden. Der Krieg sei immer Teil ihres Lebens gewesen, sagte die israelische Schriftstellerin, die 1953 in Tel Aviv geboren wurde, unlängst. In ihrem autobiografischen Debütroman „Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?“ (1998/auf Deutsch: 2004) erzählte sie vom Israel der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg und vom Leben ihrer Mutter. Das Buch gehört heute in Israel zur Schullektüre. 

Binnen weniger Monate schrieb Lizzie Doron ihr zweites Buch. Für „Ruhige Zeiten“, (2003/auf Deutsch: 2005) wurde Doron mit dem von der Gedenkstätte Yad Vashem vergebenen Buchman-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2007 erhielt sie den Jeanette-Schocken-Preis, den Bremerhavener Bürgerpreis für Literatur. Ihre letzten drei Bücher erschienen bisher nicht in ihrer Muttersprache Hebräisch, sondern nur auf Deutsch. Dorons Schreibstil gilt als kühl und klar.

„Was wäre wenn“: Der neue Roman von Lizzie Doron ist bei dtv erschienen.

Nun hat sie ihren neuen Roman vorgelegt: „Was wäre wenn“. Das Buch handelt von einem Freund, der im Yom Kippur Krieg gefangen genommen wurde.  

„Wir hatten falsche Träume“

Deutsche Welle: In „Was wäre wenn“ besuchen Sie einen alten Schulfreund im Hospiz. Er wird sterben und wünscht sich, Lizzie noch ein letztes Mal zu sehen. Warum wollten Sie die Geschichte von Yigal Ben Dror, ihrem Freund, mit ihren Lesern teilen?

Lizzie Doron: Weil ich mich schuldig fühle. Eines der Privilegien des Alters ist es, dass ich zurückblicken kann und verstehe, welche Fehler ich in der Vergangenheit begangen habe – meine Ignoranz, meine Unfähigkeit zuzuhören. Als Schriftstellerin versuche ich, gegen Ungerechtigkeiten anzukämpfen, und so musste ich seine Geschichte erzählen.

Warum fühlen Sie sich schuldig? Was haben Sie getan?

Als Yigal in unsere Schule kam, war klar: Man stellt keine Fragen. Denn wir waren in unserem Viertel alle Kinder von Holocaust-Überlebenden. Wir hatten keine Ahnung, dass er gar nicht das…