Deutschland ist laut einer aktuellen Erhebung besonders stark von Steuervermeidung durch Unternehmen betroffen. Insgesamt gehen dem Fiskus mehr als 21 Milliarden Euro pro Jahr verloren, weil internationale Konzerne hierzulande erzielte Gewinne ins Ausland verschieben und so Steuern sparen.

Die Summe entspricht 29 Prozent des gesamten deutschen Unternehmenssteueraufkommens, wie die Ökonomen Gabriel Zucman, Thomas Torslov und Ludvig Wier in ihrem »Missing Profits«-Forschungsprojekt untersucht haben. Dabei werten sie Daten von Statistikbehörden aus. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2018. Nur Ungarn verliert mit 31 Prozent einen noch größeren Anteil des Steueraufkommens.

Anhand der Daten lässt sich außerdem erkennen, wo die Unternehmensgewinne aus Deutschland stattdessen besteuert wurden – zu einem weitaus geringeren Steuersatz. Vor allem EU-Steueroasen profitieren. So landeten den Forschern zufolge mehr als sechs Milliarden Euro in Luxemburg, 5,5 Milliarden in den Niederlanden und 3,6 Milliarden in Irland. Diese Länder nehmen dadurch zusätzlich Steuern ein.

Zu den ebenfalls stark von Steuerflucht betroffenen Staaten zählen Großbritannien, Frankreich und die USA. Zu den Profiteuren gehören Belgien, die Schweiz und Singapur. Insgesamt verschoben Unternehmen knapp 40 Prozent ihrer weltweit erzielten Gewinne in andere Länder, allein 2018 waren das etwa 770 Milliarden Euro, schreiben die Wissenschaftler.