Januar 1975: Aus dem Radio erklingen fremdartige elektronische Töne, ein Männergesang im Unisono gibt ein sphärisches und eintöniges „Wir fahr’n fahr’n fahr’n auf der Autobahn“ von sich. Dieses Lied lässt aufhören, sticht heraus aus den anderen Hits der damaligen Zeit von Suzi Quatro, Slade, The Rubettes, Sweet und den vielen erfolgreichen deutschen Schlagern.

Hinter dieser merkwürdig faszinierenden neuartigen Musik, in der zudem noch deutsch gesungen wird – was damals nur in den Schlagern vorkommt – stecken vier junge Männer aus Düsseldorf.

Ein Kunstprojekt entsteht

Antriebsmotor dieses neuartigen Elektro-Kraftwerks ist von Anfang an Ralf Hütter. Der hat bereits 1968 zusammen mit Florian Schneider und verschiedenen weiteren Musikern ein Projekt gegründet, das sich „Organisation zur Verwirklichung gemeinsamer Musikprojekte“, kurz „Organisation“, nennt. Man experimentiert mit Sounds und Stilrichtungen, mit Design, mit Kleidung und Frisuren, mit Namen. Man trifft sich in der Düsseldorfer Kneipe „Creamcheese“ – einem Schmelztiegel der ansässigen Kunst- und Musikszene. Früh ist klar: Das, was hier entstehen soll, wird keine normale Band, es wird ein Kunstprojekt.

Tatsächlich gelingt es der „Organisation“, einen Plattenvertrag in England zu bekommen und ein erstes Album zu veröffentlichen. Mit mäßigem Erfolg. 1970 geben Kraftwerk ein Livekonzert in der Rockpalast-Reihe des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Die irritierten Blicke der Zuschauer sprechen Bände. Das ist wirklich sehr, sehr neue Musik.

„Ruckzuck“ in die Charts

Das nächste Album erhält den Titel „Kraftwerk“ – und ein erster kleiner Hit findet sich darauf. In „Ruckzuck“ ertönen verschiedene Querflöten, die Florian Schneider sammelt und spielt, eingerahmt in dynamisch-tanzbare Elektronik-Klänge. Der Song wird zur Titelmelodie des in Deutschland populären TV-Politmagazins „Kennzeichen D“. Das Album erreicht Platz 30 in den deutschen Charts.

Fieberhaft wird an weiteren Platten gearbeitet. „Hütter war…