Aus der Union kommen weiter Warnungen vor der Aufnahme von afghanischen Schutzsuchenden in Deutschland. Es könne »keine generelle Zusage für die Aufnahme von Flüchtlingskontingenten in Deutschland geben«, sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt der »Neuen Osnabrücker Zeitung« vom Donnerstag. »Wir dürfen jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass wir die Probleme in Afghanistan in Deutschland lösen könnten. Das würde das Risiko einer Fluchtbewegung nach Europa massiv erhöhen.«

Die Bundesregierung solle stattdessen der Uno-Flüchtlingshilfe finanzielle Unterstützung in Milliardenhöhe zuzusagen, um Geflüchtete aus Afghanistan in Camps in den Nachbarländern unterzubringen und zu versorgen, regte Dobrindt an. »Die Fehler von 2015 nicht zu wiederholen bedeutet auch, dass wir die UN-Flüchtlingshilfe stärker dabei unterstützen, die Fluchtursachen vor Ort zu bekämpfen«, sagte er mit Blick auf den Zuzug zahlreicher Schutzsuchender nach Deutschland und Europa im Jahr 2015.

Die Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Andrea Lindholz (CSU), wandte sich insbesondere gegen ein deutsches Vorpreschen bei der Aufnahme der Geflüchteten. »Wichtig ist, dass wir jetzt nicht alleine vorneweg marschieren«, sagte sie im Radiosender Bayern 2. Niemand wolle, »dass wir quasi unkontrollierte Zuwanderung ermöglichen«, sagte Lindholz. »Es muss geordnet, gesteuert und gemeinsam sein.«

Nach der Machtübernahme der fundamentalistisch-religiösen Taliban in Afghanistan sind wieder Menschen in großer Zahl auf der Flucht. 550.000 Afghaninnen und Afghanen wurden nach Schätzungen des Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) seit Jahresbeginn aus ihren Häusern vertrieben, mehr als 390.000 allein seit Mai, darunter viele Kinder und Frauen. Doch die Situation von 2015 ist mit der von heute kaum zu vergleichen. Damals konnten Menschen auf der Flucht die Grenzen weitestgehend einfach passieren. Schutzsuchende konnten von Syrien über die Türkei und den Balkan bis nach Deutschland…