Afghanische Ortkräfte sollen laut Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) von Deutschland evakuiert werden. »Es ist vollkommen unbestritten, dass die Ortskräfte und ihre Familienangehörigen nach Deutschland kommen sollen und dass es dafür auch eine moralische Verantwortung gibt«, sagte er nach seinem Auftritt im Innenausschuss des Bundestags in Berlin.

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan sind afghanische Staatsbürger, die den Deutschen in den letzten Jahren vor Ort geholfen haben, besonders in Gefahr. Die Bundesregierung hat zugesichert, ihnen unbürokratisch zu helfen.

Seehofer hob nun die Möglichkeit hervor, Visaverfahren und Sicherheitsüberprüfung auch erst nach der Einreise der Betroffenen durchzuführen. Seehofer räumte ein, dass dies ein gewisses Sicherheitsrisiko beinhalte, betonte aber: »Wenn man hier eine Lösung will, dann muss man dieses Risiko eingehen.« Zudem sei die notwendige Sicherheitsüberprüfung keine Sache von Tagen oder Wochen, sondern lediglich von Sekunden.

Für andere Schutzsuchende aus Afghanistan sieht es laut Seehofer aber anders aus. Diese sollen möglichst in der Region bleiben. »Wir wollen in Afghanistan selbst helfen«, sagt der CSU-Politiker. Er begrüße deshalb auch, dass das Flüchtlingshilfswerk UNHCR im Land bleibe. Darüber hinaus müsse alles getan werden, um Menschen aus Afghanistan »in der benachbarten Region« zu versorgen und zu beschützen. »Das ist die Grundmelodie.«

Nur für besonders schutzwürdige Menschen aus Afghanistan solle es nach der Übernahme der Macht durch die Taliban »besondere Lösungen« geben. Sie sollten nach Deutschland kommen können und wie Ortskräfte behandelt werden.

Seehofer ließ ausdrücklich offen, mit wie vielen afghanischen Schutzsuchenden zu rechnen ist. »Eine solche Prognose gibt es nicht«, betonte er. Die Bandbreite der Schätzungen gehe von einigen tausend Menschen bis zu einigen Millionen. Auf dieser Grundlage sei eine verlässliche Prognose unmöglich.