Seit 2014 leitet Nike Wagner das Beethovenfest Bonn. Mit dem Festival 2021 geht ihre Intendanz zu Ende. Die DW sprach mit Nike Wagner über ihre Zeit in Bonn, die Zukunft des Festivals – und die Aktualität Beethovens.

DW: Frau Wagner, jedem von uns stehen gerade die schrecklichen Bilder aus Afghanistan vor Augen. Was hat Beethoven in einer heutigen Welt noch zu sagen?

Nike Wagner:Diese Frage ist leicht zu beantworten: Es geht wieder um Diktaturen, um Unterdrückung, um reaktionäre „Rückspulung“ der zivilisatorischen Errungenschaften. Beethoven steht für die Idee der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Sein Werk kann man nicht anders verstehen als ein Appell an die Menschheit und Menschlichkeit.

Zurück nach Bonn: Sie haben sieben Jahre lang das Beethovenfest geleitet. Mit dem Eröffnungskonzert am 20. August fängt Ihre letzte Spielzeit an. Wie fühlt sich das an?

Gerade mal richtig! Die Zahl Sieben ist ja eine biblische, eine magische Zahl, und ich glaube, dass wir in sieben Jahren viel verändern konnten. Wir haben an einem neuen Beethoven-Bild gearbeitet, und im Lauf dieser Jahre dürfte das auch deutlich geworden sein.

Nike Wagner öffnete das Beethovenfest für den modernen Tanz: hier „Trois grandes Fugues“ mit dem Ballet de l’Opera de Lyon

Was ist das für ein neues Beethoven-Bild?

Beethoven gehört fest zu unserer Musikkultur. Wir müssen aber aufpassen, dass wir ihm nicht unrecht tun, indem wir Beethoven-Routine zulassen, indem wir ihn abfeiern. Es geht immer darum, Beethoven für unsere Gegenwart zu gewinnen. Wie verhalten sich die Komponisten heute zu Beethoven? Sagt er ihnen noch etwas? Wie gehen bildende Künstler mit Beethoven um? Ist seine Musik geeignet für die performative Szene, zum Weiterdenken und Weiterformen? Da ist in „meinem“ Beethovenfest viel geschehen.

Nike Wagner im Gespräch mit der DW-Redakteurin Anastassia Boutsko, 2019

2020 sollte das 250. Beethoven-Jubiläumsjahr mit einem ganz besonderen Beethovenfest gefeiert werden. Dann…