Afghanistan ist in den Händen der Taliban. Mit seiner Flucht vor den Islamisten hinterlässt Präsident Aschraf Ghani eine in weiten Teilen verängstigte und auf sich allein gestellte Bevölkerung – genauso wie ein wirtschaftlich marodes Land. Eine große Schwierigkeit für die Taliban dürfte die Beschaffung von Geldern zum Regieren sein.

Zugriff auf die Devisenreserven des Landes haben die Taliban laut dem Zentralbankchef im Exil nicht. Über die insgesamt neun Milliarden Dollar wacht größtenteils die US-Notenbank Fed. Welche Strategien bleiben den Islamisten also noch?

Humanitäre Unterstützung

Afghanistan ist als eines der ärmsten Länder der Welt stark auf Hilfsgelder angewiesen. Nach Angaben der Weltbank belief sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes im Jahr 2020 auf 19,81 Milliarden US-Dollar, davon machten Hilfsgelder fast 43 Prozent aus.

Mehrere Länder haben nach der Machtübernahme der Taliban jedoch angekündigt, dass sie die Hilfsgelder einfrieren werden. Auch Deutschland, eines der wichtigsten Geberländer, stoppte seine Zahlungen am Mittwoch. Insgesamt hätten 430 Millionen Euro allein 2021 aus Deutschland in das Land fließen sollen. »Unter den jetzt gegebenen Umständen (…) können wir keine Entwicklungshilfe machen«, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDUÌ.

»Afghanistan ist auf grausame Weise von ausländischer Hilfe abhängig«, sagt die Expertin Vanda Felbab-Brown von der US-Denkfabrik Brookings Institution. Die Höhe der bisherigen Hilfszahlungen betrage mindestens das Zehnfache dessen, was die Taliban-Führung in dem Land einnehme.

Ob und inwieweit Hilfsgelder auch in die Hände der Taliban gelangt sind – und womöglich noch gelangen, ist unklar. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank haben sich bislang noch nicht zum Aussetzen der Entwicklungshilfe geäußert.

Opium und Steuern

Die Taliban beziehen einen großen Teil ihrer Einkünfte aus kriminellen Aktivitäten. Ein wichtiger Wirtschaftszweig ist der Anbau von Schlafmohn,…