Die Inflation in Großbritannien war zuletzt wie in vielen europäischen Ländern kräftig angestiegen. Die Rate kletterte von 0,4 Prozent im Februar auf 2,5 Prozent im Juni. Nun hat sich die Teuerung der Verbraucherpreise in dem Land jedoch überraschend abgeschwächt.

Die Preise lagen im Juli nur noch 2,0 Prozent über dem Vorjahresniveau, wie aus offiziellen Daten hervorgeht. Besonders die Preise für Bekleidung, Schuhe und Computer bremsten die Entwicklung. Auch die Preise für Alkohol und Tabak sind im Jahresvergleich nicht mehr so stark gestiegen wie im Juni. Ein starker Preistreiber bleiben hingegen die Transportkosten.

In Großbritannien allerdings hatte die Teuerungsrate vor einem Jahr im Juli kräftig angezogen – als die britische Wirtschaft sich langsam vom ersten Lockdown im Zuge der Corona-Pandemie erholte.

Folglich ist die Abschwächung aus Sicht von Volkswirten auch eher eine Momentaufnahme. Der Rückgang der Teuerungsrate verschleiere die Stärke des gegenwärtigen Inflationsdrucks in der britischen Wirtschaft, sagte Yael Selfin, Chefvolkswirt von KPMG in Großbritannien.

Unterdessen gibt es Bereiche, in denen die Preise enorm anzogen. Die britischen Immobilienpreise etwa sind vor dem Auslaufen von Steuererleichterungen so stark gestiegen wie seit rund 17 Jahren nicht mehr. Sie legten im Juni um durchschnittlich 13,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu.

Die Währungshüter diesseits und jenseits des Atlantiks gehen derzeit davon aus, dass die Verbraucherpreise infolge der Wiederöffnung der Wirtschaft nach dem jüngsten Lockdown im Jahresverlauf weiter steigen werden.

Die Bank von England rechnet bislang damit, dass die Inflation Ende des Jahres und Anfang 2022 auf vier Prozent klettern wird. Allerdings erwartet sie, dass der Anstieg nur vorübergehend sein wird. Auf ihrer jüngsten Zinssitzung machten die Notenbanker um ihren Chef Andrew Bailey keine Abstriche bei ihren umfangreichen Konjunkturhilfen – und ließen den Leitzins bei 0,1 Prozent.