Die Beißhemmung der Kandidaten

Es ist eine sonderbare Zeit, eine monumentale Krise folgt der nächsten, Corona als Grundrauschen im deutlichen Crescendo gen Herbst, die Flut mit mehr als hundert Toten Mitte Juli, nun der Schock in Afghanistan und das offene Geständnis von Kanzlerin und Außenminister, in dieser außenpolitischen Frage versagt zu haben.

In ihrer letzten Phase zeigt sich die Regierung unter Angela Merkel erstaunlich verletzlich und man könnte meinen, die Folgen müssten tief greifende Grundsatzdebatten sein, schließlich ist Wahlkampf und wann, wenn nicht jetzt, sollte man darüber reden, wie das Land aufgestellt sein muss, um derartige Krisen künftig besser zu bewältigen – und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Zuverlässigkeit der Politik wieder zurückzugewinnen.

Doch statt zu streiten, belauern sich die Kandidatin und die zwei Kandidaten wie Kämpfer im Boxring, die Angst davor haben, den ersten Schlag zu setzen, er könnte ja daneben gehen.

Ubd so erleben wir einen CDU-Vorsitzenden, der beim Wahlkampfauftakt im Boxring zwar Kampfeslust simulierte, der in Fernsehinterviews aber die meisten Fragen zum Afghanistan-Einsatz an sich abperlen lässt, mit dem Hinweis, es sei nun die Zeit, Menschen zu retten und nicht politisch zu streiten.

So hatte er auch schon während der Flutkatastrophe argumentiert: Erst mal helfen, die grundsätzlichen Fragen können warten. Nur wie lange? Bis nach der Wahl?

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Showboxen für den Wahlkampf: Armin Laschet zum Wahlkampfauftakt in einem Boxcamp.

Foto: ARMANDO BABANI / AFP

Auch Olaf Scholz verharrt im Zustand des Bedrücktseins, wohl wissend, dass jeder politische Angriff in dieser Frage auf ihn und die SPD wie ein Bumerang zurückfallen würde: Schließlich gilt sein Parteifreund und Außenminister Heiko Maas in dieser Krise als das personifizierte Versagen, wenngleich man Maas die Fähigkeit, eigene Fehler klar einzugestehen, positiv anrechnen muss.

Annalena Baerbock, die…