Auch der Restbetrag liege überwiegend nicht in afghanischen Tresoren herum, sondern befinde sich auf anderen internationalen Konten – etwa bei der in der Schweiz ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die als Zentralbank der Notenbanken gilt. Nur maximal 0,2 Prozent der Reserven seien den Taliban zugänglich.

Mögliche Inflation zulasten der Armen

Da Afghanistan weit mehr importiert als exportiert und dadurch ein großes Leistungsbilanzdefizit aufweist, war die Zentralbank »darauf angewiesen, alle paar Wochen physische Bargeldlieferungen zu erhalten«, erklärte Ahmady. »Der Betrag des verbleibenden Bargelds ist nahezu null, da die Lieferungen eingestellt wurden, nachdem sich die Sicherheitslage verschlechterte.« Die internationalen Reserven seien nicht gefährdet. »Kein Geld wurde von einem Reservekonto gestohlen«, fügte Ahmady hinzu.

Der Bestand in Afghanistan an US-Dollar in Form von Bargeld gehe dagegen gegen null, da das Land eine geplante Bargeldlieferung während der Taliban-Offensive in der vergangenen Woche nicht erhalten habe. Die nächste Lieferung sei nie angekommen, schrieb er. Er vermutet, dass die internationalen Partner dies vermutet hätten.

Mangel an Dollar

Ahmady vermutete, dass der Mangel an Dollars wahrscheinlich zu einer Abwertung der Landeswährung Afghani und einem Anstieg der Inflation führen werde – was den Armen im Lande schaden könnte, wenn etwa die Lebensmittelpreise steigen. Grund dafür sei, dass die Zentralbank den heimischen Banken nicht genügend Dollar zur Verfügung stellen könne, außerdem geht er davon aus, dass die Taliban Kapitalkontrollen anwenden, um Abflüsse ins Ausland zu verhindern. Der Zugang zu diesen Reserven wiederum werde wahrscheinlich dadurch erschwert, dass die US-Regierung die Taliban als Terrorgruppe einstufen. »Taliban haben militärisch gewonnen – aber jetzt müssen sie regieren«, schrieb er. »Das ist nicht einfach.«

Ein Vertreter der US-Regierung sagte der Nachrichtenagentur…