Die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan wird nach Einschätzung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier langfristige weltpolitische Folgen haben. „Wir erleben in diesen Tagen eine menschliche Tragödie, für die wir Mitverantwortung tragen, und eine politische Zäsur, die uns erschüttert und die Welt verändern wird“, sagte das Staatsoberhaupt in Berlin. Deutschland müsse jetzt alles daransetzen, die eigenen Landsleute und die Afghanen, die ihnen jahrelang zur Seite gestanden hätten, in Sicherheit zu bringen. 

„Bittere Fragen“ müssen beantwortet werden

Der rasche Zusammenbruch der afghanischen Regierung und ihrer Streitkräfte sowie die widerstandslose Übernahme der Herrschaft durch die Taliban werde „lange Schatten werfen“, sagte Steinmeier. „Das Scheitern unserer jahrelangen Anstrengungen in Afghanistan, ein stabiles, tragfähiges Gemeinwesen aufzubauen, wirft grundlegende Fragen für Vergangenheit und Zukunft unseres außenpolitischen und militärischen Engagements auf“, erklärte der ehemalige Außenminister.

Es gebe „bittere Fragen“, die ehrlich und gründlich beantwortet werden müssten. Die Antworten müssten auch im westlichen Bündnis gemeinsam gesucht werden. „Denn ohne dieses Bündnis und die Solidarität im Bündnis wären wir vor 20 Jahren nicht nach Afghanistan gegangen.“ Angesichts der Lage in Afghanistan rief der Bundespräsident zur Hilfe für die Menschen im Land auf.

Keine deutsche Entwicklungshilfe mehr

Unterdessen hat die Bundesregierung die staatliche Entwicklungshilfe für das Land ausgesetzt. Das sagte Entwicklungsminister Gerd Müller. Alle deutschen und internationalen Mitarbeiter der für die staatliche Entwicklungshilfe zuständigen Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hätten sicher das Land verlassen.

Afghanistan war bisher die Nummer eins unter den Empfängerländern deutscher Entwicklungshilfe. Für dieses Jahr waren 250 Millionen Euro veranschlagt. Davon ist aber noch kein Euro…