In Afghanistan haben die Taliban die Macht übernommen. Am Kabuler Flughafen suchen verzweifelte Menschen Zugang zu Flugzeugen. Könnten erneut viele Migranten kommen?

Mit dem Fall Kabuls ist die Mahnung wieder zu hören, insbesondere von Politikern der Union. «2015 darf sich nicht wiederholen», verlangte CDU-Vize Thomas Strobl, der auch baden-württembergischer Innenminister ist.

Menschen, die nun aus Afghanistan flüchteten, sollten vor allem in Nachbarländern unterkommen, die dafür internationale Unterstützung erhalten sollten. Ähnliche Warnungen formulierten CDU-Vize und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Unionskanzlerkandidat und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der für eine Aufnahme von Flüchtlingen in begrenzter Zahl plädiert.

Aber ist tatsächlich zu erwarten, dass nach dem Siegeszug der Taliban noch einmal Menschen in einer ähnlichen Größenordnung kommen wie in den Jahren 2015 und 2016? Damals erreichten mehr als 1,1 Million Asylsuchende Deutschland, viele von ihnen aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Viele Fragen sind noch offen.

Wie viele Menschen sind in Afghanistan auf der Flucht?

Die Zahl der Binnenflüchtlinge ist mit Anfang Mai, also dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen und mehrerer Offensiven der Taliban, massiv gestiegen. Erst waren die Menschen aus den Bezirken in die Provinzhauptstädte geflohen, als zuletzt die Kämpfe auch in den Städten begannen dann noch einmal viele weiter in die Hauptstadt Kabul. Bis Anfang August verließen laut UN 390.000 Afghanen ihre Dörfer und Städte wegen Gefechten.

Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) von Anfang August verließen zu diesem Zeitpunkt jede Woche rund 30.000 Menschen das Land.

Es ist unklar, wie sich die Fluchtbewegungen nach der faktischen Machtübernahmen der…