Afghanistan befindet sich inzwischen faktisch in der Hand der militant-islamistischen Taliban. Die Erinnerung an die  einstige Schreckensherrschaft lässt viele Afghanen für die Zukunft das Schlimmste befürchten.

Kabul ist gefallen, der Machtapparat in Afghanistan in sich zusammengebrochen. Am Sonntag eroberten die militant-islamistischen Taliban auch die Hauptstadt des krisengebeutelten Landes, nachdem zuvor zahlreiche Provinzhauptstädte in ihre Hände gefallen waren. Staatschef Aschraf Ghani setzte sich ins Ausland ab, nur wenige Stunden später nahmen die Taliban seinen Amtssitz ein. Die Verhandlungen für eine „friedliche Machtübergabe“ haben begonnen. 

„Heute ist ein großer Tag für die Afghanen und die Taliban“, teilte ein Sprecher der Taliban am Sonntag mit. Die Menschen würden nun die „Früchte ihrer Bemühungen und Opfer“ in den letzten 20 Jahren ernten. „Gott sei Dank, der Krieg in diesem Land ist nun vorbei.“  

Trotz der Behauptungen der Taliban, eine Regierung der „nationalen Einheit“ und Frieden für das Land anzustreben, befürchten viele Afghanen, dass die Taliban zu den grausamen und repressiven Praktiken zurückkehren werden, die ihre vorherige Herrschaft zwischen 1996 und 2001 bestimmten.

Das „Islamische Emirat Afghanistan“

Es wird erwartet, dass die Taliban in den kommenden Tagen ein neues „Islamisches Emirat Afghanistan“ ausrufen werden – so wie schon vor dem Einmarsch der US-Truppen im Jahr 2001. Damals setzten sie mit drakonischen Strafen ihre Vorstellung eines „Gottesstaats“ durch: Frauen und Mädchen wurden systematisch unterdrückt, Künstler und Medien zensiert, Menschenrechtsverletzungen waren an der Tagesordnung.

Die Taliban-Herrschaft basierte auf einer extrem rigiden Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts. Musik, Tanz, Fernsehen und andere beliebte Freizeitaktivitäten wie das Steigenlassen von Drachen…