Ein schockierendes Handyvideo auf Twitter zeigt den Ernst der Lage: Während ein Transporter der US-Army über das Flugfeld rollt, hängen sich Menschen in Trauben an das abhebende Flugzeug. 

Die Vereinigten Staaten evakuieren Botschaftsangehörige und afghanisches Personal. Alle anderen müssen im Land bleiben, darunter Künstler, Filmemacher, Autoren, Musiker. Was sie erwartet? Nichts Gutes.

Es ist ein Drama, das sich in Echtzeit vor den Augen der Weltöffentlichkeit abspielt: „Ich schreibe Ihnen mit gebrochenem Herzen und in der tiefen Hoffnung, dass Sie helfen, mein wunderbares Volk und insbesondere die Filmemacher vor den Taliban zu schützen“, meldete sich die afghanische Regisseurin Saahra Karimi am 13. August per Twitter zu Wort. Auf ihrem Eroberungszug in den letzten Wochen hätten die Taliban „das Volk massakriert, viele Kinder entführt, Mädchen als Kinderbräute an ihre Kämpfer verkauft, eine Frau wegen ihrer Kleidung ermordet, einer anderen die Augen ausgestochen, einen unserer geliebten Komiker gefoltert und ermordet, einen unserer historischen Dichter ermordet, den Leiter der Kultur- und Medienabteilung der Regierung ermordet, regierungstreue Menschen ermordet, Männer öffentlich gehängt. Sie haben Hunderttausende von Familien vertrieben.“

„Sie werden jegliche Kunst verbieten“

Die Filmemacherin Sahraa Karimi ist die erste und einzige Frau Afghanistans mit Doktortitel in Filmregie und Drehbuch. Ihr Film „Hava, Maryam, Ayesha“, gedreht am Hindukusch, war 2019 bei den Filmfestspielen in Venedig zu sehen und erzählt die Geschichte von drei afghanischen Frauen unterschiedlicher sozialer Herkunft zwischen Tradition und Moderne. Für ihren Film hatte Karimi noch vor der Premiere eine prominente Unterstützerin gefunden – Angelina Jolie. „Jeder Film, der in Afghanistan entsteht, ist ein Triumph“, betonte die US-Schauspielerin damals. „In Zeiten, in denen die Zukunft des Landes in der Schwebe ist, erinnert uns dieser Film daran, was für Millionen…