Auf dem Flughafen der afghanischen Hauptstadt brach nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban wegen des übergroßen Andrangs ein völliges Chaos aus. Teilweise wurde das Rollfeld von panischen Menschen mit dem Ziel gestürmt, einen Platz in einer Maschine zu ergattern.

Nach Augenzeugenberichten kamen mindestens fünf Menschen ums Leben. US-Soldaten feuerten vereinzelt Warnschüsse ab.

Ein Sprecher des deutschen Außenministeriums erklärte, dass auf dem Flughafen Kabul aktuell keine Starts und Landungen möglich seien, weil viele verzweifelte Menschen das Rollfeld blockierten.

Der Sicherheitsexperte der regierungsnahen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Markus Kaim, geht davon aus, dass der Airport nicht mehr lange für Evakuierungsflüge genutzt werden kann. Dies sei vielleicht noch drei Tage oder höchstens eine Woche möglich – „dann schließt sich dieses Zeitfenster und wer dann das Land nicht verlassen hat, wird dort bleiben müssen“, sagte Kaim im Sender Phoenix. 

Taliban sammeln Waffen ein

In den Straßen Kabuls herrschte am Morgen eine gespenstische Stille. Geschäfte und Cafés blieben geschlossen. Taliban-Kämpfer sammelten in der afghanischen Hauptstadt Waffen von Zivilisten ein.

Die Islamisten, die das Land bereits von 1996 bis 2001 als Gottesstaat mit eisernem islamischen Recht regiert hatten, verkündeten am Sonntag das Ende der Kämpfe und die Einnahme Kabuls. „Der Krieg im Land ist vorbei“, sagte Taliban-Sprecher Mohammed Naim dem Sender Al Dschasira. Bald werde klar sein, wie das Land künftig regiert werde. 

Zum weiteren Vorgehen äußerte sich Naim überraschend versöhnlich: Man wolle mit allen Beteiligten Frieden, schütze afghanische Persönlichkeiten und diplomatische Vertretungen und suche den Dialog mit der Staatengemeinschaft. Erwartet wird allerdings, dass die Taliban hart gegen Gegner vorgehen und erneut einen Gottesstaat einführen wollen. Zu befürchten sind verheerende Folgen vor allem für Frauen und…