Machtübernahme der Taliban
Kein Ausweg, nirgends – das Schicksal der zurückbleibenden Menschen in Afghanistan

Von türkischen Behörden aufgegriffene afghanische Flüchtlingen nahe der türkisch-iranischen Grenze

© Bradley Secker/ / Picture Alliance

von Marc Goergen
16.08.2021, 11:49 Uhr

Die USA, Deutschland und anderen Nationen evakuieren panisch ihre Staatsbürger aus Kabul. Zurück bleiben: die Afghaninnen und Afghanen selbst. Mit Kabul ist die letzte freie Enklave im Land gefallen – und Nachbarländer machen ihre Grenzen zu. Ein Land wird zum Gefängnis.

Es waren dramatische und beängstigende Szenen, die sich gestern in Kabul abspielten. Als klar wurde, dass die ersten Taliban in die Außenbezirke der afghanischen Hauptstadt eingedrungen waren, kam die Panik. Menschen verrammelten ihre Läden. Rannten zu den Banken, um zumindest einen Teil ihre Ersparnisse in Sicherheit zu bringen. Und versuchten schließlich in Autos, in Bussen, auf Fahrrädern und Motorrädern, zu Fuß oder auf Eselskarren aus der Stadt rauszukommen. Weg, nur weg von den Taliban.

Weg. Doch wohin?

Während die USA ihr Botschaftspersonal und internationale Helfer in schweren Chinook-Helikoptern zum noch gesicherten internationalen Flughafen ausflogen, von dort dann weiter mit Militärmaschinen ins usbekische Taschkent, gab und gibt es diesen Ausweg für die allermeisten Afghaninnen und Aghanen nicht. Ihr Land wird für sie zum Gefängnis – mit den Taliban als Aufsehern.

Die Menschen in Afghanistan brauchen Unterstützung. Wir leiten Ihre Spenden an Organisationen weiter, die sich um Flüchtende kümmern. Hier können Sie spenden.

Bis zum Wochenende war Kabul für flüchtende Afghanen der letzte sichere Hafen. Wie Dominosteine waren die großen Städte des Landes, waren Herat, Kandahar, Mazar-i-Sharif, zuletzt dann auch Jalalabad, in die Hände der Taliban…