Die Bundesregierung stellt sich auf eine längere Evakuierungsmission für deutsche Staatsbürger, afghanische Ortskräfte und andere nach dem Taliban-Einmarsch gefährdete Afghanen ein. In einer Unterrichtung für die Fraktionschefs berichteten Bundeskanzlerin Angela Merkel und mehrere ihrer Minister, insgesamt gehe man von bis zu 10.000 Personen aus, die aus Kabul ausgeflogen werden sollten, um sie vor der Rache der Taliban zu schützen.

Die Bundeswehr soll für die Mission, die am Montag mit dem Start von zwei A400M-Militärmaschinen in Richtung Kabul anlief, ein robustes Mandat des Bundestags erhalten. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte in dem Briefing, man wolle dem Bundestag ein Mandat mit einer Obergrenze von 600 Mann vorlegen. Das Mandat soll am Mittwoch vom Kabinett beschlossen und dann dem Bundestag zur Beratung vorgelegt werden.

Vermutlich, so jedenfalls Militärkreise, werden nicht alle Soldaten bei der Mission tatsächlich eingesetzt, aber die Bundeswehr will die Flüge von Kabul nach Taschkent mit robusten Teams absichern. Geplant ist, dass die Bundeswehrsoldaten mehrmals pro Tag von Kabul nach Taschkent pendeln, die ausgeflogenen Passagiere sollen dann mit Linien- oder Chartermaschinen nach Deutschland gebracht werden.

Erste Maschine kreist über Kabul – und muss abdrehen

Die Rettungsmission erlebte am ersten Einsatztag jedoch einen erheblichen Rückschlag. Einer der A400M der Bundeswehr kreiste stundenlang über dem Flughafen von Kabul, bekam allerdings keine Landegenehmigung. Dort eingesetzte US-Soldaten versuchten fieberhaft, die Lage am Flughafen zu stabilisieren, nachdem Tausende Afghanen das Flugfeld gestürmt hatten und sich an startenden US-Jets, die Diplomaten ausfliegen wollten, festklammerten.

Die Bundesregierung hofft, dass man trotzdem in den kommenden Tagen rund 80 deutsche Staatsbürger, die noch in Kabul ausharren, und Hunderte afghanische Ortskräfte mit ihren Familien ausfliegen kann. So hätten die USA signalisiert, dass…