Auf ihrem überraschend schnellen Eroberungsfeldzug haben die radikal-islamischen Taliban die afghanische Hauptstadt Kabul erreicht und stehen nach 20 Jahren vor einer Rückkehr an die Macht. Nur gut ein Vierteljahr nach Beginn des internationalen Truppenabzugs rücken sie in die Stadt ein. Sie kämen „von allen Seiten“, sagte ein ranghoher Vertreter des afghanischen Innenministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. In der Hauptstadt wurden Regierungsgebäude vor den heranrückenden Taliban fluchtartig geräumt.

Präsident Ghani setzt sich ins Ausland ab

Die Taliban haben nach eigenen Angaben mehrere Distrikte der Hauptstadt eingenommen. Auch der Präsidentenpalast sei unter ihrer Kontrolle. Die afghanische Regierung bestätigte diese Angaben zunächst nicht. Der arabische TV-Sender Al Jazeera veröffentlichte auf Twitter Bilder aus den Gebäude, die Taliban-Kämpfer in den Räumen zeigen sollen. 

Zuvor hatte Präsident Aschraf Ghani fluchtartig das Land verlassen. Lokale Medien berichteten, er sei nach Tadschikistan geflogen. Am Abend begründete er seinen Schritt damit, eine „Flut des Blutvergießens“ zu vermeiden. Wäre er geblieben, hätten zahlreiche Landsleute den Märtyrertod erlitten und die Stadt Kabul wäre zerstört worden, schrieb Ghani in Facebook. Zugleich gestand er die militärische Niederlage gegen die Taliban ein.

Aschraf Ghani ist aus dem Land geflohen, sein Konterfei am Flughafen von Kabul hängt – noch

Diese erklärten zwar, sie strebten eine gewaltfreie Übergabe der Stadt an. Man werde keine Rache üben, sagte ein Taliban-Sprecher. Allen, die der Regierung oder im Militär gedient hätten, werde vergeben. Zivilisten müssten das Land nicht aus Angst verlassen. Auch der Flughafen von Kabul bleibe in Funktion. Ausländer könnten die afghanische Hauptstadt verlassen, sofern sie dies wünschten.

Am Abend (Ortszeit) gab es jedoch Meldungen über Kämpfe am Stadtrand. Die Taliban hatten zunächst erklärt, ihre Kämpfer stünden an allen Zugängen nach…