Kann die SPD wirklich Nein sagen?

Immer wieder heißt es, in diesem Bundestagswahlkampf sei alles offen. Ein CDU-Kanzler Armin Laschet sei zwar am wahrscheinlichsten. Aber eine grüne Kanzlerin Annalena Baerbock an der Spitze einer Ampel sei alles andere als ausgeschlossen. Und die Fehler, die beiden Kandidaten zuletzt unterlaufen sind, ließen sogar eine Koalition unter der Führung von SPD-Kandidat Olaf Scholz wieder als denkbar erscheinen. Schwarz-Grün, Jamaika, Ampel, sogar Rot-Grün-Rot – alles soll gehen, nur ein Koalitionsmodell wird stets und von (fast) allen als völlig ausgeschlossen bezeichnet: die Deutschlandkoalition.

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DER SPIEGEL

Warum eigentlich? Auf den ersten Blick scheinen die Gründe klar zu sein: Dass sich die gebeutelte SPD noch einmal in ein unionsgeführtes Regierungsbündnis begibt, scheint völlig ausgeschlossen. Dass sich die Sozialdemokratie 2018 überhaupt noch einmal in dieses Modell begeben hat, hat kurz- und mittelfristig einige ihrer prominentesten Frontleute die Karriere gekostet, man denke an Martin Schulz oder Andrea Nahles. Umgekehrt verdankt der heutige Parteivize Kevin Kühnert seinen Aufstieg auch der Anti-Groko-Kampagne, die er anführte. Und letztlich ist die Deutschlandkoalition ja eine Groko mit angeschlossener FDP.

Also nie mehr Groko? Nie, nie, nie? Oder vielleicht doch ganz ausnahmsweise und nur in größter Not? Hinter vorgehaltener Hand lassen Politikerinnen und Politiker aller Parteien dieser Phantom-Koalition durchblicken, dass es schon das ein oder andere Argument für sie gibt. Fangen wir mit den jüngsten Zahlen an: Eine Insa-Umfrage für die »Bild«-Zeitung ergab soeben, dass Schwarz-Grün keine Mehrheit mehr hat – sehr wohl aber ein Dreierbündnis wie die Deutschlandkoalition. Das klingt schon mal nach mehr als nach einem Schlossgespenst Hui Buh.

Neuauflage dieses Jahr? Christian Lindner bei seinem Pressestatement nach den gescheiterten Jamaika-Koalitionsverhandlungen…