Eigentlich deutete alles schon während der Ouvertüre auf einen klassischen Kimi-Plot hin: Eine Frau wird auf der Straße von ihrem Geliebten weggestoßen. Vor den Augen ihres Sohnes springt sie dann aus einem Fenster, ein Seil mit einer Schlinge um ihren Hals an einem Dachhaken befestigt. Ende der Ouvertüre und Schock für die Zuschauer.

Als Krimi-Fan ahnt man jetzt: Das Kind wird sich als Erwachsener rächen. Es wird in das Dorf zurückkehren, den einstigen Geliebten seiner Mutter aufsuchen und ihn für ihren Tod büßen lassen. Bei Dmitri Tcherniakovs Neuinszenierung von Richard Wagners „Der Fliegende Holländer“ wird dann schnell klar, der Geliebte der Frau war Seefahrer Daland, ihr Kind wird später als der „Fliegende Holländer“ bekannt. Seine Rache: Er nimmt Dalands Tochter Senta mit in den Tod. Doch bei Tcherniakov kommt es anders – wie so vieles bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen. 

Strenge Sicherheitsvorkehrungen vor dem Einlass

Es schien fast so, als wären die strengen Sicherheitsmaßnahmen rund um das Festspielhaus Teil seiner Inszenierung. Die Zufahrtsstraßen wurden von der Polizei bewacht, die Taschen kontrolliert. Der Eintritt funktionierte nur mit farbigen Bändchen nach vorheriger Registrierung und negativem Corona-Testnachweis. FFP2-Masken waren auch am Platz Pflicht.

Angela Merkel ließ sich die letzten Bayreuther Festspiele im Amt als Bundeskanzlerin nicht entgehen

Zum einen waren die Vorsichtsmaßnahmen  Corona geschuldet, zum anderen der Prominenz. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder besuchten die Premiere, wenn auch diesmal ohne roten Teppich. Unter normalen Umständen ziehen die Bayreuther Festspiele in Wagners Festspielhaus jedes Jahr über 60 000 Besucher aus dem In- und Ausland an. In diesem Jahr werden nur 911 von 1974 Plätzen pro Vorstellung im Schachbrettmuster besetzt.

Die Zuschauer applaudierten dafür umso frenetischer – ganz besonders für die litauische Sängerin und…