Die kleine Amal hat eine lange Reise vor sich: 8000 Kilometer wird sie zurücklegen, von der Grenze Syriens bis nach Großbritannien. Das kleine Mädchen ist auf der Suche nach ihrer Mutter, die sich auf den Weg machte, um etwas zu Essen zu finden, aber nicht zurückkehrte.

Die kleine Amal („Little Amal“) ist allerdings ein besonderes Mädchen: Sie ist 3,5 Meter groß, eine Puppe, und die Hauptfigur im Theaterprojekt „The Walk“, das am 27. Juli 2021 im türkischen Gaziantep nahe der syrischen Grenze beginnt. Innerhalb von zwei Monaten wird die Puppe durch acht europäische Länder reisen, unter ihnen auch Deutschland. Mit diesem Projekt will das britische „Good Chance“-Theaterkollektiv auf die Millionen von Geflüchteten hinweisen, deren Schicksal über die Corona-Pandemie in Vergessenheit zu geraten droht.

Eine einmalige Kunstaktion

So betont Amir Nizar Zuabi, künstlerischer Leiter des Kollektivs: „Gerade weil die Welt jetzt auf andere Themen schaut, ist es so wichtig, die Flüchtlingskrise wieder in den Fokus zu rücken.“ Das Ziel sei es dabei, „das Potential von Geflüchteten“ hervorzuheben statt nur ihre „schlimmen Umstände“.

Das Kollektiv bezeichnet die Kunstaktion auf ihrer Internetseite als „eines der innovativsten und abenteuerlichsten öffentlichen Kunstwerke, das jemals unternommen wurde“. Unter den Puppenspielern befinden sich laut des Kollektivs auch ehemalige Geflüchtete.

Amal macht auch in Deutschland Halt

In jedem Ort, in dem Amal Halt macht, wird ein kulturelles Rahmenprogramm örtlicher Künstler und Kulturschaffender Amals Aufenthalt begleiten: In Stuttgart zeichnen sich die Großpuppenspieler von „Dundu“ dafür verantwortlich. Stuttgart sei neben Bochum und Berlin die deutsche Hochburg des Großpuppenspiels, erklärt Fabian Seewald von „Dundu“. Im Gespräch mit der DW betont er, um was für ein ehrgeiziges Kulturereignis es sich bei „The Walk“ handelt: Es sei einmalig, eine solche Performance unter Pandemiebedingungen über acht Ländergrenzen hinweg auf…