Die Expertin konnte ihre Wut nicht verbergen. »Wir konnten mehrere Tage vorab sehen, dass die betroffene Gegend überflutet werden würde«, hat Hannah Cloke von der Universität Reading in Großbritannien dem SPIEGEL gesagt. Sie hat das Europäische Hochwasser-Warnsystem Efas mit aus der Taufe gehoben. Es sei, so sagt sie, eingerichtet worden »um genau diesen Verlust von Leben zu verhindern«.

Das ist nicht gut genug gelungen. Mindestens 175 Menschen haben die Flutkatastrophe im Westen Deutschlands nicht überlebt, viele weitere gelten noch immer als vermisst. Parallel zu den Aufräumarbeiten in den betroffenen Gebieten läuft eine hitzige Diskussion: Warum konnten nicht mehr Anwohnerinnen und Anwohner dazu gebracht werden, sich in Sicherheit zu bringen – wo die meteorologische Gefahr doch augenscheinlich klar war und auch durch den Deutschen Wetterdienst kommuniziert wurde?

Bei der Suche nach Antworten auf die Frage, wie man Menschen möglichst effektiv vor Gefahren warnt, wie man ein solches Fehlversagen wie im Fall der Überflutungen in Zukunft vermeiden kann, muss man sich mit technischen Aspekten befassen. Etwa mit der Frage, warum das sogenannte Cell Broadcast in Deutschland bislang nicht genutzt wurde. Immerhin steht damit im Prinzip seit rund drei Jahrzehnten eine Technologie zur Verfügung, mit der beträchtliche Teile der Bevölkerung im Krisenfall erreicht werden könnten: Man braucht dafür keine Sirenen und keine Apps auf Smartphones – ein Uralt-Handy aus der Technikfrühzeit reicht.

Von einer Mobilfunk-Basisstation aus lassen sich so Nachrichten an alle Mobiltelefone in der entsprechenden Funkzelle schicken. Insgesamt 1395 Zeichen stehen für die Botschaft zur Verfügung, niemand muss sich anmelden, es werden keine Informationen der Empfänger benötigt oder gesammelt – man kann sich das Ganze vorstellen wie den Lautsprecherwagen des 21. Jahrhunderts.

Im kommenden Jahr soll Cell Broadcast kommen

»Die Einführung von Cell-Broadcast in Deutschland ist bisher…